MEM-Industrie exportiert knapp ein Fünftel in grenznahe Regionen

Die Schweizer Industrie ist eng mit den grenznahen Regionen vernetzt. Knapp ein Fünftel aller Exporte der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) werden dorthin geliefert. Der Branchenverband Swissmem fordert daher eine rasche Lösung beim EU-Rahmenabkommen.
13.06.2019 10:10

Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Nord- und Südtirol, die Lombardei, das Piemont sowie die grenznahen französischen Departemente sind wichtige Absatzmärkte für die MEM-Industrie, teilte der Verband am Donnerstag im Vorfeld seines "Industrietages" mit.

Laut der im Auftrag von Swissmem vom Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics erstellten Studie exportierte die MEM-Branche 2018 Güter im Wert von 13,4 Milliarden Franken in die genannten Regionen.

Gemessen an den gesamten Exporten der MEM-Firmen in Höhe von rund 70 Milliarden Franken erreichte der Handel mit den grenznahen Gebieten damit einen Anteil von 19 Prozent. Das sei fast so viel, wie von der Branche in die beiden weltweit grössten Volkswirtschaften USA und China zusammen geliefert wurde.

Die mit Abstand wichtigste Region in Grenznähe ist für die Verbandsfirmen Baden-Württemberg mit Exporten im Umfang von 6,2 Milliarden Franken. Auf den weiteren Plätzen folgen Bayern (2,2 Mrd Franken), die Lombardei (1,5 Mrd) und das Elsass (1,1 Mrd Franken).

Grenzgänger gegen den Fachkräftemangel

Gleichzeitig sind die an die Schweiz angrenzenden Regionen ein für die MEM-Industrie wichtiger Beschaffungsmarkt. Die Branche bezieht gut einen Viertel der gesamthaft importierten Waren im Wert von 8,7 Milliarden Franken aus diesen Regionen, wie die Studie aufzeigte.

Darüber hinaus spielen die grenznahen Gebiete eine wichtige Rolle für den hiesigen Arbeitsmarkt: Einerseits seien rund 45'000 Mitarbeitende direkt mit dem Handel, den die MEM-Firmen im nahen Ausland unterhalten, verbunden.

Andererseits sei jeder zehnte Beschäftigte der Branche ein Grenzgänger. Ohne sie wäre der Fachkräftemangel noch ausgeprägter als er ohnehin schon ist, hielt Swissmem fest.

Bilaterale Verträge sind der Schlüssel

Der Schlüssel zum Funktionieren des grenznahen Netzwerks sieht Swissmem in den Bilateralen Verträgen mit der EU. Diese gelte es zu erhalten und weiterzuentwickeln. Daran hätten sowohl die Schweiz als auch ihre Nachbarregionen ein "vitales" Interesse. In der Umfrage hätten 88 Prozent der befragten MEM-Firmen die Bilateralen Verträge als "wichtig bis unverzichtbar" eingestuft.

Um auf dem bilateralen Weg mit der EU voranzugehen, brauche es zwingend ein institutionelles Rahmenabkommen, ist Swissmem-Präsident Hans Hess laut Mitteilung überzeugt. Dieses bringe den Schweizer Firmen Rechtssicherheit. Die nun zum Abkommen noch vorgesehenen Klärungen müssten rasch erfolgen, forderte Hess.

Am Freitag hatte der Bundesrat entschieden, das institutionelle Abkommen mit der EU vorläufig nicht zu unterzeichnen. Er verlangte "Klärungen" und "Präzisierungen" in den Bereichen Lohnschutz, Unionsbürgerrichtline und staatliche Beihilfen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich am Dienstag offen für Präzisierungen, verlangt allerdings, dass diese "in den kommenden Tagen" erfolgen.

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(AWP)