Merck-Chef Oschmann sieht weltweite Abschottungstendenzen mit Sorge

Der Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck KGaA , Stefan Oschmann, hat sich gegen die Errichtung von Handelsbarrieren ausgesprochen und damit auch indirekt Kritik am amtierenden US-Präsidenten Donald Trump geübt. Die Bestrebungen in vielen Ländern, neue Handelsschranken zu errichten, bereiteten ihm Sorgen, sagte Oschmann am Freitag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst.
28.04.2017 11:02

"Wer Mauern errichtet und Zölle verhängt, mag kurzfristig Gewinne realisieren. Langfristig erreicht er genau das Gegenteil", sagte Oschmann und erntete dafür von den Aktionären zustimmenden Applaus. Namentlich nannte Oschmann Trump nicht. "Wir brauchen offene Märkte", ergänzte der Merck-Lenker.

Der US-Präsident hatte während seines Wahlkampfs den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko angekündigt, um illegaler Einwanderung und Drogenhandel einen Riegel vorzuschieben. Zur Wochenmitte war bekannt geworden, dass Trumps Prestigeprojekt sich aktuell nicht finanzieren lässt. Zudem hatte der US-Präsident noch Anfang des Jahres etwa deutschen Autobauern wegen ihrer Standorte in Mexiko mit Handelsbeschränkungen in Form von Zöllen und Importsteuern gedroht. Auch die Pharmabranche war Trump wegen angeblich zu hoher Preise im Wahlkampf angegangen, mit seinem Entwurf zur Gesundheitsreform war er aber vorerst gescheitert.

Der Merck-Konzern mit mehr als 50 000 Mitarbeitern weltweit hatte das vergangene Jahr dank der unerwartet schnellen Integration des zugekauften US-Laborausrüsters Sigma Aldrich mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Die Aktionäre stimmen auf der Hauptversammlung über eine Dividendenerhöhung um 15 Cent auf 1,20 Euro ab./tav/stb

(AWP)