Merkel: Berlin weder Bremser noch Beschleuniger nach Brexit-Votum

BERLIN (awp international) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie reagiere zögerlich auf das Votum der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union. "Ich glaube, dass wir die Reihenfolge sehen sollten", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem neuen ukrainischen Ministerpräsidenten Wladimir Groisman am Montag im Kanzleramt. Sie erwarte "zu einem bestimmten Zeitpunkt" die entsprechende Mitteilung der britischen Regierung an die Europäische Union nach Artikel 50 der europäischen Verträge. Sie betonte: "Die Mitteilung muss von der britischen Regierung geschickt werden und da habe ich weder eine Bremse noch habe ich da eine Beschleunigung."
27.06.2016 15:22

Wenn dieser Antrag gestellt sei, sei es ihre Aufgabe, darüber nachzudenken. "Dass Grossbritannien jetzt eine gewisse Zeit braucht, auch erst einmal die Dinge analysiert, dafür habe ich ein gewisses Verständnis." Sie mahnte aber: "Wir dürfen uns eine dauerhafte Hängepartie nicht leisten, weil das, glaube ich, für die Wirtschaft beider Teile - der EU-27 und Grossbritannien - nicht gut wäre."

Sie stellte auch klar, dass es keine Vorverhandlungen mit London gebe, bevor die Austritts-Absicht nicht förmlich erklärt sei. Sie appellierte an den Zusammenhalt der 27 anderen EU-Staaten: "Es muss alles getan werden, damit Fliehkräfte oder Zentrifugalkräfte nicht gestärkt werden, sondern damit der Zusammenhalt gestärkt wird." Auf die Frage, ob es einen Brexit vom Brexit geben könnte, sagte Merkel: "Ich befasse mich mit den Realitäten."

London will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen und möchte bereits vor dem offiziellen Austritts-Antrag Vorgespräche mit Brüssel führen. Die Briten sollen nach Meinung des Brexit-Wortführers Boris Johnson auch weiterhin die Vorteile der EU nutzen können./du/DP/fbr

(AWP)