Merkel sieht Autoindustrie vor einem "grossen Umbruchprozess"

Die deutsche Autoindustrie muss nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel in den kommenden Jahren tiefgreifende Veränderungen bewältigen. Die Branche stehe "vor einem grossen Umbruchprozess in den nächsten Jahrzehnten", sagte Merkel am Samstag in ihrem Video-Podcast zur Automobil-Ausstellung IAA.
10.09.2017 13:01

Die Messe, die dieses Jahr im Zeichen des Dieselskandals und drohender Fahrverbote steht, wird am Donnerstag von der Kanzlerin in Frankfurt am Main eröffnet. Merkel beklagte erneut den "grossen Vertrauensverlust", der durch die Abgas-Affäre entstanden sei. Zugleich hob sie die Bedeutung der Automobilindustrie als "wichtige Säule unseres wirtschaftlichen Erfolgs" hervor.

Die Kanzlerin erwartet nach eigenen Angaben von den Herstellern unter anderem, dass sie ihre Forschungsaktivitäten noch stärker auf alternative Antriebe ausrichten. Die deutsche Autoindustrie dürfe hier nicht den Anschluss verlieren.

Auf der anderen Seite müssten auch die klassischen Verbrennungsmotoren weiterentwickelt werden, sagte Merkel weiter. "Und deshalb kann man auch die Forschung in diesen Bereichen nicht völlig einstellen. Aber das richtige Mass und die richtige Mitte zu finden, das wird eine der herausragenden Aufgaben der Automobilindustrie sein."

Merkel betonte, dass die Regierung bei den alternativen Antrieben offen für verschiedene Technologien sei. "Das heisst, wir fokussieren uns nicht ausschliesslich auf die Elektromobilität, sondern wir warten, ob auch vielleicht die Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe eine Rolle spielen werden", sagte die Kanzlerin.

Ungewöhnlich hart ging unterdessen der Chef des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, die "Gilde der Autofeinde" an. Er verwahrte sich in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" angesichts der Kritik wegen des Abgasskandals gegen eine "apokalyptische Abwärtsspirale": Wer jetzt den Diesel anschiesse, nehme sich in Zukunft den Benziner und dann womöglich auch das E-Auto vor. "Gegen solche Fanatiker müssen wir uns wehren", sagte Wissmann dem Blatt.

(AWP)