Militärversicherung: Steigende Fallzahlen und teure Einzelfälle

Luzern (awp/sda) - Die Militärversicherung hat vergangenes Jahr 194 Mio CHF an Versicherungsleistungen gezahlt. Das sind 5 Mio CHF mehr als im Vorjahr. Grund sind steigende Fallzahlen, teure Einzelfälle und höhere Heilkosten. Erstmals seit 75 Jahren floss dafür kein Geld mehr an Ölsoldaten.
21.06.2016 11:49

Als Ölsoldaten wurden die knapp hundert Schweizer Wehrmänner bekannt, die 1940 durch Kühlöl für Maschinengewehre vergiftet worden waren. In jenem Sommer verwechselte man das Kühlöl mit Speiseöl und bereitete damit Käseschnitten zu. Im Herbst darauf wurde in einer anderen Kompanie das falsche Öl für die Salatsauce verwendet. Die Wehrmänner erlitten Vergiftungen, die zu bleibenden Nervenschäden führten.

Zu Verwechslung war es gekommen, weil das Kühlöl in Speiseölkanister abgefüllt wurde. Beim Transport ging eine allfällige Kennzeichnung verloren, und das Kühlöl wurde ins Lebensmittellager gebracht. Die Köche erkannten die Verwechslung nicht, da sich das Kühlöl weder geschmacklich noch optisch vom Speiseöl unterschied.

Wie die Suva am Dienstag mitteilte, bezahlte die Militärversicherung (MV) 2015 nun erstmals seit 75 Jahren keine Leistungen mehr an die Ölsoldaten aus. 2014 verstarb der letzte aktenkundige Ölsoldat. Zwischen 1940 und 2015 bezahlte die MV insgesamt 46,1 Mio CHF an die Ölsoldaten.

GLEICH VIELE UNFALLMELDUNGEN

Im vergangenen Jahr kam die Militärversicherung für knapp 30'000 Krankheitsfälle und gut 10'000 Unfälle ihrer Versicherten auf, die vor allem Militär-, Zivilschutz- oder Zivildienst leisteten. Das waren laut Suva etwa gleich viele wie im Vorjahr.

Rückläufig waren weiterhin die Rentenkosten. Sie sanken weiter auf 94 Mio CHF, da die Zahl der Rentenbezüger stetig abnehme, heisst es weiter. Die Rentenleistungen lägen nicht nur auf dem tiefsten Stand seit vierzig Jahren, erstmals seit sechzig Jahren sind sie laut Medienmitteilung auch tiefer als die Ausgaben für die kurzfristigen Leistungen von 100 Mio CHF.

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(AWP)