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Minder & Co. als Warnung für Krankenkassen

Krankenkassen haben ein schlechtes Image. Das noch Schlechtere daran: Sie tun wenig, das zu ändern. Ein Spiel mit dem Feuer.
02.09.2014 00:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Ist Ihnen das oder ähnliches auch schon mal passiert? Eine Krankenkasse verweigert plötzlich die Zahlung von Arztrechnungen, die sie zuvor während Jahren beglichen hatte. Okay, kanns geben, aber man möchte gerne wissen, weshalb. Auf eine freundliche schriftliche Anfrage erhält der Versicherte eine standardisierte, nichtssagende Antwort "betr. Regelverstosses". Auch beim zweiten Mal Nachfragen ändert sich den Tonfall in der Antwort nicht. Während der dritten telefonischen Nachfrage, bei welcher der Versicherte noch immer nicht zum zuständigen Sachbearbeiter durchgestellt wird, erfährt man dann etwas von Rechnungen, die seit diesem Jahr "halt etwas genauer angeschaut" würden.

Solche und andere Geschichten aus dem Bekanntenkreis häufen sich im Vorfeld zur Abstimmung zur Einheitskrankenkasse am 28. September. Klar ist: Wegen der jährlichen Prämiensteigerungen haben die Kassen seit Jahren kein gutes Image. Für die Kostenexplosion im Gesundheitswesen können sie aber nur bedingt zur Verantwortung gezogen werden. Aber die Krankenkassen sollten dort punkten, wo ein Dienstleistungsunternehmen punkten müsste: Bei der Service- und Kundenorientierung.
Doch da genau hapert es bei vielen Krankenkassen. Stattdessen treffen Versicherte und auch Ärzte auf eine zunehmend kafkaesk anmutende Bürokratie. Die Folge: Die Versicherten kommen sich lästig vor.

Zwar wird die Initiative "für eine öffentliche Krankenkasse" in der Deutschschweiz aller Voraussicht nach abgelehnt. In der Romandie und im Tessin hingegen wird die Vorlage wahrscheinlich angenommen. Sicher ist: Der Urnengang wird viele Protestwähler anziehen, die den Krankenkassen endlich mal eins auswischen wollen.

Das muss ein Alarmsignal sein für die Versicherungen, zumal Folgeinitiativen der Einheitskassenbefürworter bei einer Niederlage nicht ausgeschlossen sind. Denn der Schweizer Wähler ist in den letzten Jahren unberechenbarer geworden. Das zeigen die Volksinitiativen "Gegen Masseneinwanderung" oder die Abzocker-Initiative, die beide vom Polit- und Wirtschaftsestablishment lange Zeit belächelt wurden.  Wollen die Krankenkassen auf lange Sicht als unabhängige Unternehmen einander konkurrieren, dann müssen sie sich  so verhalten wie erfolgreiche Dienstleistungsunternehmen in einer Marktwirtschaft. Bei denen stehen Kunden- und Serviceorientierung zuoberst.