Mögliches Auto-Kartell: Oberster Verbraucherschützer rechnet mit Klagewelle

Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller rechnet wegen des möglicherweise gebildeten Kartells von deutschen Autoherstellern mit einer Klagewelle. Er geht von zehntausenden Verfahren aus, in denen Autokäufer Schadenersatz für überteuerte Fahrzeuge verlangen werden. Wegen der im Raum stehenden Absprachen der Hersteller hätten viele Kunden einen "möglicherweise viel zu hohen Preis" für ihre Autos gezahlt, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe)
24.07.2017 06:29

Müller wies auf die Selbstanzeigen von Daimler und Volkswagen bei den Wettbewerbsbehörden hin, über die der "Spiegel" am Freitagnachmittag erstmals berichtet hatte und damit ein Branchenbeben ausgelöst hatte. Darin schildern die beiden Konzerne, wie sich Automanager der fünf führenden Marken VW , Audi , Porsche, BMW und Mercedes-Benz jahrelang in geheimen Zirkeln über ihre Fahrzeuge, über Kosten, Zulieferer und auch über die Tricksereien mit den Diesel-Abgasen abgesprochen haben.

EU-Kommission und Bundeskartellamt prüfen deshalb, ob die Autohersteller gegen das Kartellverbot verstossen haben. Es drohen Milliardenstrafen. Die Branche, deren Vertreter zu den Vorwürfen bislang schweigen, steht bereits wegen der Diesel-Abgasaffäre unter Druck. Die Verbraucherzentrale drängt nun darauf, per Gesetz eine Musterklage möglich zu machen, damit mutmasslich betrogene Kunden nicht einzeln vor Gericht gehen müssen, sondern sich zusammentun können.

Das gehöre zu den ersten Aufgaben der künftigen Regierung nach der Bundestagswahl im September, sagte Müller. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) hatten am Wochenende gefordert, die Vorwürfe wegen des Verdachts jahrelanger illegaler Absprachen schnell aufzuklären./zb/jha/

(AWP)