Mogherini: "Die EU bleibt eine fundamentale Macht in der Welt"

München (awp/sda/afp) - Der Austritt Grossbritanniens wird nach Ansicht der EU-Aussenbeauftragten Federica Mogherini nicht zu einem Machtverlust der EU führen. "Die EU ist und bleibt eine fundamentale Macht in der Welt", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung" vom Dienstag.
28.06.2016 09:44

Wirtschaftlich, aber auch in der Entwicklungshilfe, bei der Sicherheit, in der Diplomatie und der Verteidigung bleibe die EU wichtig, sagte Mogherini. Grossbritannien habe zwar "grossen Anteil" an Entwicklungshilfe, Verteidigung und Diplomatie. "Aber es ist trotzdem nur ein Staat von 28. 27 bleiben. Die EU bleibt", sagte die europäische Chefdiplomatin.

Grossbritannien werde durch einen Austritt mehr verlieren als die EU. "Es verliert die Möglichkeit, die Entscheidungen einer der zwei, drei grössten Mächte der Welt mitzugestalten."

"Auch das Vereinigte Königreich ist in dieser Welt nur ein mittelgrosses Land", sagte die Italienerin. Die EU müsse sich nach dem Brexit-Votum der Briten ihrer Stärken und ihres Nutzens bewusst werden. Das Referendum könne dafür ein "Weckruf" sein.

Nicht nur Briten im Blick

Mogherini forderte, nun nicht nur die Interessen der Briten im Blick zu haben. Es gebe auch noch "die 440 Millionen EU-Bürger ausserhalb Grossbritanniens". "Sie haben ein Recht auf Klarheit darüber, in welcher EU sie leben: einer EU mit oder ohne Grossbritannien", sagte Mogherini.

Nun sei die britische Regierung am Zug. "Nicht die EU hat das Referendum veranstaltet, sondern die britische Regierung", hob die EU-Aussenbeauftragte hervor. "Es ist ihre Sache, wie sie den Willen der Bürger demokratisch umsetzt."

Mogherini präsentiert beim EU-Gipfel an diesem Dienstag eine sogenannte Globale Strategie für eine stärkere sicherheitspolitische Rolle der EU. Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten bei dem Treffen in Brüssel über die Entscheidung der Briten, die Union zu verlassen.

Premierminister David Cameron informiert seine Kollegen beim Abendessen über das Ergebnis der Volksabstimmung vom Donnerstag. Am Mittwoch folgen dann Beratungen ohne Cameron. Dabei geht es insbesondere darum, wie der Austrittsprozess ablaufen soll und welche Zusammenarbeit die verbliebenen 27 Staaten anstreben.

(AWP)