Monte dei Paschi nimmt letzten Anlauf für Kapitalspritze

Die italienische Krisenbank Monte dei Paschi di Siena nimmt einen letzten Anlauf zu einer Rettung ohne Staatshilfen.
16.12.2016 12:18
Monte dei Paschi hofft, dass der Staatsfonds von Katar (m Bild die Hauptstadt Doha) sich an der Kapitalerhöhung beteiligt.
Monte dei Paschi hofft, dass der Staatsfonds von Katar (m Bild die Hauptstadt Doha) sich an der Kapitalerhöhung beteiligt.
Bild: Pixabay

Seit Freitag können institutionelle Investoren und Privatanleger von der Traditionsbank ausgegebene Anleihen in Aktien tauschen. Das Angebot ist bis kommenden Mittwoch befristet, danach will die Bank eine Kapitalerhöhung starten. Insgesamt braucht die älteste Bank der Welt bis zum 31. Dezember frisches Kapital, sonst droht ihr die Abwicklung. Die Regierung in Rom hatte signalisiert, Monte dei Paschi notfalls mit Staatsgeld davor zu bewahren. Doch die Bank warnte die Anleihe-Investoren, dass diese dann mit schlechteren Konditionen zu rechnen hätten. Nach den EU-Regularien müssen Anleger bei einem Eingreifen des Staates ebenfalls zur Kasse gebeten werden.

Unterdessen verlieren die Kunden das Vertrauen in die seit Monaten in den Schlagzeilen stehende Bank. Seit 30. September seien sechs Milliarden Euro an Einlagen abgezogen worden, allein zwei Milliarden Euro seit dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi am 4. Dezember, räumte die Bank ein. Zum Jahresende werde das Institut etwa drei Milliarden Euro weniger Einlagen haben als geplant. Kundeneinlagen sind eine wichtige Refinanzierungsquelle für Banken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits vor Liquiditätsengpässen gewarnt und deshalb auf eine Kapitalspritze noch vor dem Jahresende gepocht.

Mit dem Tausch von Anleihen in Aktien will Monte dei Paschi das Volumen der nötigen Kapitalerhöhung senken. Die Bank rechne mit einer durchschnittlichen Annahmequote von 40,4 Prozent, erklärte sie am Freitag. Die Rettungsaktion werde insgesamt 558 Millionen Euro kosten, geht aus dem Prospekt hervor. Der größte Posten sind 200 Millionen Euro, die der Bankenrettungsfonds Atlante dafür erhält, dass er Monte dei Paschi einen großen Teil ihrer faulen Kredite abnimmt. Für die Investmentbanken muss sie dagegen nur halb so viel ausgeben wie geplant: Sie hatten eine Garantie für die Platzierung der Kapitalerhöhung zurückgezogen, weil ihnen das zu riskant erschien. Daher bekommen sie weniger Gebühren.

Monte dei Paschi hofft, dass der Staatsfonds von Katar sich mit einer Milliarde Euro an der Kapitalerhöhung beteiligt. Er hat sich laut Bankern aber noch nicht entschieden. Das Institut erklärte nur, es gebe keine Verhandlungen über den Einstieg eines Ankerinvestors. 

(Reuters)