Mutmasslicher Cox-Mörder ruft vor Gericht "Tod den Verrätern"

London (awp/sda/reu/afp/dpa) - Zwei Tage nach der Ermordung der britischen Labour-Abgeordneten Jo Cox ist der mutmassliche Täter einem Gericht in London vorgeführt worden. Dabei sagte der 52-Jährige am Samstag auf die Frage nach seinem Namen: "Tod den Verrätern, Freiheit für Grossbritannien". Die Staatsanwaltschaft beschuldigt ihn des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes.
18.06.2016 17:19

Die 41-jährige Labour-Abgeordnete Cox starb am Donnerstag im nordenglischen Birstall bei Leeds durch Schüsse und Messerstiche. In der erbittert geführten Debatte in Grossbritannien über den so genannten Brexit war sie für einen Verbleib in der EU eingetreten. Die Briten stimmen am kommenden Donnerstag ab.

Vor Gericht äusserte sich der Festgenommene nicht zu den Vorwürfen. Auf die wiederholte Frage des Gerichtsschreibers des Amtsgerichts Westminster in London nach seinem Namen entgegnete er ruhig: "Mein Name ist Tod den Verrätern, Freiheit für Grossbritannien."

Ansonsten schwieg er in der 15 Minuten langen Anhörung, nach der er in Haft blieb. Am Montag soll er im Londoner Old Bailey dem Strafgerichtshof vorgeführt werden, wo die bedeutenden Kriminalfälle verhandelt werden.

Polizei geht von Einzeltäter aus

Die Polizei nahm den Mann am Donnerstag in der Nähe des Tatorts fest und stellte Waffen bei ihm sicher, darunter eine Schusswaffe. Sie geht von einem Einzeltäter aus.

Den bisherigen Ermittlungen zufolge sei ausser dem Festgenommenen keine andere Person beteiligt gewesen, teilte die Polizei des Landkreises West Yorkshire mit. Der Angriff auf Cox sei offenbar eine "isolierte, aber gezielte Attacke" gewesen.

Ein 77-jähriger Mann, der Cox schützen wollte, wurde durch einen Messerstich in den Bauch verletzt.

Verbindungen zu Rechtsextremisten

Die Polizei geht zusammen mit Anti-Terror-Experten Medienberichten nach, dass der 52-Jährige Verbindungen zu Rechtsextremisten im Ausland gehabt haben könnte und wegen psychischer Probleme in Behandlung war. Laut Zeugen rief er bei der Tat "Britain first" (Grossbritannien zuerst).

Bisher ist offen, ob ein Zusammenhang mit dem britischen Referendum über einen EU-Austritt am kommenden Donnerstag besteht. "Britain first" ist ein Slogan der Austritts-Befürworter, aber auch der Name einer rechtsgerichteten nationalistischen Gruppe.

Seit dem Anschlag lassen Gegner und Befürworter eines britischen EU-Ausstiegs ihre landesweiten Kampagnen ruhen. Premierminister David Cameron, der am Freitag in Birstall gemeinsam mit Labour-Chef Jeremy Corbyn Blumen niederlegte, stimmte einer Einberufung des Unterhauses für Montag zu, damit Abgeordnete des Parlaments der Ermordeten gedenken können.

(AWP)