Nach dem EZB-Entscheid: Das ist die Ausgangslage für die SNB

Die Europäische Zentralbank lässt die Zinsen unverändert, pumpt aber weiter Geld in die Märkte. Was bedeutet dies für die Schweizerische Nationalbank und ihren Zinsentscheid nächste Woche?
08.09.2016 15:29
Von Pascal Züger
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, steht am 15. September wieder im Rampenlicht.
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, steht am 15. September wieder im Rampenlicht.
Bild: ZVG

Die grosse Überraschung blieb beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am heutigen Donnerstag aus. Neuigkeiten sind kaum auszumachen. Präsident Mario Draghi lässt den Einlagesatz - das ist der Zins, mit dem Banken im Euroraum kurzfristig ihr Geld bei der EZB parkieren können - unverändert bei minus 0,4 Prozent. Auch der Leitzins bleibt unverändert, nämlich bei null Prozent.

Weiterhin wird die EZB zudem mit ihrem Anleihenkaufprogramm (Quantitative-Easing-Programm) die Märkte fluten. Bis zum Endtermin im März 2017 sollen so Obligationen im Wert von 1,7 Billionen Euro zusammengekauft werden. Marktbeobachter gehen jedoch davon aus, dass Draghi die quantitative Lockerung darüber hinaus fortführen wird und bis mindestens September 2017 monatlich um die 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte spült. Draghi könnte diesen Schritt im Dezember ankündigen.

Es ist klar, was die EZB mit dieser sehr lockeren Geldpolitik erreichen will: Einen schwächeren Euro, um die Wirtschaft in die Gänge zu bringen. Gleichzeitig soll eine höhere Inflation herbeigezaubert werden. Die Teuerung beträgt aktuell mickrige 0,2 Prozent, die EZB hätte aber gerne 2 Prozent.

«In Zürich nichts Neues»

Einen schwächeren Euro durchkreuzt wiederum die Pläne der Schweizerischen Nationalbank (SNB), welche seit Jahren gegen eine Aufwertung des Frankens anzukämpfen hat. Sie führte die Negativzinsen ein, um den Franken als Anlageobjekt möglichst unattraktiv zu machen. Muss die SNB nun bei ihrem Zinsentscheid am 15. September auf Europas Geldflut reagieren?

Nein, sagt Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank (SGKB), auf Anfrage von cash"Alle Anpassungen im Zusammenhang mit dem Quantitative-Easing-Programm der EZB haben auf die SNB keinen Einfluss".

Gemäss Stucki würde die SNB vielmehr auf Aktionen der EZB achten, welche die europäischen Geldmarktsätze nach unten drückten. So könne etwa eine substanzielle Senkung des EZB-Einlagesatzes um mindestens 0,2 Prozent die SNB ihrerseits dazu bewegen, die Negativzinsen von aktuell minus 0,75 Prozent auszuweiten. Aber die EZB hat die Zinssätze am Donnerstag nicht angetastet.

Deshalb ist für Stucki klar, was von der SNB in einer Woche zu erwarten ist: Keine weitere weitere Absenkung der Negativzinsen. Laut Stucki wird die SNB am 15. September weiterhin betonen, wie wichtig Negativzinsen für den Franken seien und die Bereitschaft herausheben, bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv zu werden. "In Zürich nichts Neues", fasst der ehemalige Anlagechef der SNB seine Erwartungshaltung zusammen. 

Gute Wirtschaftswachstum in der Schweiz

Auch die jüngst positive Schweizer Wirtschaftsentwicklung hat für Stucki keinen Einfluss auf die SNB-Politik bzw. auf eine mögliche Entschärfung der Negativzinsen. "Im Gegenteil, die SNB fühlt sich dadurch bestätigt, dass ihre jetzige Politik richtig ist."

Der Hintergrund: Am Dienstag präsentierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) überraschend gute Zahlen für die Wirtschaft: Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ist in der Periode von April bis Juni zum Vorquartal um 0,6 Prozent angestiegen. Das ist deutlich mehr, als im Vorfeld erwartet wurde.

Negativzinsen werden in der Schweiz somit bis auf weiteres bestehen bleiben, mit all den Negativfolgen: Wegbrechende Erträge für Banken, schlechtes Anlageumfeld für Pensionskassen und Versicherungen, sowie Sparerinnen und Sparer, die fürchten, dass die Banken irgendwann auf Sparguthaben einen Strafzins oder andere Gebühren erheben.