Nach Trump und Brexit - Scheuen reiche Leute wegen Umwälzungen vor Aktien zurück?

Reiche Investoren machen einen Bogen um Aktien wegen Sorgen zu den politischen Auswirkungen der neuen US-Regierung um Donald Trump und der Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen.
18.02.2017 14:17
Inbegriff des Luxus: Ein Rolls Royce Phantom.
Inbegriff des Luxus: Ein Rolls Royce Phantom.
Bild: ZVG

Das berichtet Christian Nolting, Investmentchef bei der Wealth-Management-Sparte der Deutschen Bank. "Die Leute sind noch immer vorsichtig. Es gibt noch immer Nachfrage nach Anleihen und die Leute sind nicht bereit, sich in den riskanteren Aktien-Bereich hineinzubewegen, erklärt Nolting in einem Interview mit Bloomberg in Dubai. Die Wahrnehmung bestehe darin, dass es "da draussen noch eine Menge Risiken und eine Menge Unsicherheit gibt."

Die Märkte waren in Aufruhe geraten auf Grund unerwarteter Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit. Dazu zählen die Brexit-Entscheidung der Briten und die Wahl von Donald Trump zum neuen US-amerikanischen Präsidenten. Populistische Kandidaten bei anstehenden Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland befeuern Ängste, die Europäische Union könne auseinanderfallen – was nicht zuletzt zusätzlich zur politischen Unsicherheit beträgt.

Devisen werden zur wichtigsten Aktiva-Klasse

Deutsche Asset Management hatte die europäischen Bestände in ihren Multi-Asset-Fonds auf das geringste Niveau aller Zeiten gesenkt. Dahinter stand die Unsicherheit dazu, wie die Wahlen in Europa die Märkte beeinflussen werden.

Devisen seien jetzt eine der wichtigsten Aktiva-Klassen, während Investoren Barmittel parken oder in Bonds belassen würden, sagt Nolting. "Wir rechnen nicht mit einer massiven Verlagerung von Anleihen in Aktien hinein. Aktien stehen noch immer für ein anderes Risiko-Profil", erklärt er. Einige grosse Investoren würden zwar Aktien bei entsprechender Absicherung kaufen, aber Aktien seien nicht billig.

Nolting geht davon aus, dass die Regierung Trump wahrscheinlich neue Infrastrukturausgaben und eine Senkung der Unternehmens-Steuern anstreben wird – was den US-Märkten helfen werde. Das dürfte seiner Meinung nach Unternehmensanleihen wohl attraktiver machen, weil die Massnahmen die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten drei Jahren reduzieren würden.

Gewöhnung an neues Umfeld

Deutsche Bank Wealth Management bevorzugt Dollar-Anleihen aus Schwellenländern. Das Unternehmen gibt Papieren mit Investment-Grade-Bewertung aus Asien den Vorzug gegenüber jenen aus Lateinamerika. Nolting begründet dies mit dem besseren politischen Klima in der Region.

Seinen Worten zufolge werde es einige Zeit brauchen, bevor Investoren zuversichtlicher mit Blick auf Europa werden. "Ich würde nicht davon ausgehen, dass Leute das Ergebnis von – sagen wir den französischen Wahlen – sehen und dann massiv da hineingehen werden", sagt er. "Investoren brauchen etwas Zeit, um sich an dieses neue Umfeld zu gewöhnen."

(Bloomberg)