Nagra hält an ihren Tiefenlager-Vorschlägen fest

Zürich (awp/sda) - Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hält an ihren Standortvorschlägen für geologische Tiefenlager fest. Daran ändert auch ein Zusatzbericht nichts, den sie auf Geheiss des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) abliefern musste.
11.08.2016 14:05

Die vom ENSI verlangte Zusatzdokumentation ist vor allem im Hinblick auf Nördlich Lägern bedeutsam, wie die Nagra und das Bundesamt für Energie (BFE) am Donnerstag mitteilten.

Im Januar 2015 hatte die Nagra eine Dokumentation eingereicht, mit der sie ihren Vorschlag begründete, die Standortgebiete Jura Ost und Zürich Nordost in der dritten Etappe der Standortsuche für geologische Tiefenlager zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle vertieft zu untersuchen. Die Gebiete Südranden, Jura-Südfuss, Wellenberg und Nördlich Lägern sollten zurückgestellt werden.

Mit der Zusatzdokumentation kommt die Nagra nun der Forderung des ENSI vom September 2015 nach, zusätzliche Analysen zum Indikator "Tiefenlage im Hinblick auf bautechnische Machbarkeit" vorzulegen. Die Frage der maximalen Tiefenlage ist insbesondere relevant für die Beurteilung, ob das Standortgebiet Nördlich Lägern in Etappe 3 weiter untersucht werden soll.

Aus Sicht der Nagra wird die im Januar 2015 eingereichte Bewertung im neuen Bericht nun bestätigt. Ob das ENSI in seiner Gesamtbeurteilung diese Einschätzung teilen werde, sei heute nicht absehbar, schreibt die Nagra. Deshalb wird sie, um weitere zeitliche Verzögerungen im Standortwahlverfahren zu vermeiden, ab Herbst 2016 auch im Gebiet Nördlich Lägern 3D-seismische Messungen durchführen und Gesuche für Sondierbohrungen ausarbeiten.

Das ENSI wird die seit Januar 2015 laufende Detailprüfung der Unterlagen bis im Frühling 2017 abschliessen und sein Gutachten vorlegen. Anschliessend werden die Kommission für nukleare Sicherheit sowie der Ausschuss der Kantone ihre Stellungnahmen abgeben. Die - zum Teil vorläufigen - Stellungnahmen der sechs Standortregionen liegen bereits vor.

Ende 2017 werden sämtliche Berichte, Gutachten und Stellungnahmen in eine dreimonatige öffentliche Vernehmlassung geschickt. Der Bundesrat wird voraussichtlich bis Ende 2018 über den Abschluss von Etappe 2 der Standortsuche entscheiden und damit festlegen, welche Standortgebiete in Etappe 3 tatsächlich vertieft untersucht werden sollen. Bis zu diesem Entscheid verbleiben laut BFE grundsätzlich sämtliche sechs potenziellen Standortgebiete im Auswahlverfahren.

(AWP)