Nagra reicht sechs Bohrgesuche für mögliche Atommüll-Lager ein

(Meldung durchwegs ergänzt) - Stadel, Weiach, Glattfelden, Eglisau und Bülach sind die Standorte in der Region Nördlich Lägern, welche die Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ausgewählt hat, um Sondierbohrungen für ein mögliches Atommüll-Tiefenlager durchzuführen. Die Gesuche dafür wurden am Donnerstag gestellt.
24.08.2017 14:29

"Voraussichtlich werden nicht alle Bohrungen durchgeführt", sagte Nagra-Geschäftsleitungsmitglied Maurus Alig am Donnerstag vor den Medien in Stadel. In dieser Gemeinde haben die Verantwortlichen zwei Bohrplätze ausgesucht, in den anderen Gemeinden jeweils einen.

Das Gebiet, das die Geologen für ein Tiefenlager geeignet halten, befindet sich unter weiten Teilen der Gemeinden Glattfelden und Stadel. Die geplanten Bohrplätze liegen im Kreis darum herum.

Die Sondierbohrungen erlauben den Geologen, präzise Aussagen über den Aufbau und die Eigenschaften der Gesteinsschichten zu machen. Damit soll sich zeigen, ob sich die Schichten eignen, um ein Tiefenlager für Atommüll zu bauen. Vorangegangen war eine Untersuchung der Region Nördlich Lägern mit der 3D-Seismik-Methode. Mittels Schallwellen sucht man dabei nach geeigneten Gebieten.

Im Gebiet Nördlich Lägern soll die Anlage wie in den Gebieten Zürich Nordost und Jura Ost im Opalinuston eingerichtet werden, einer wasserundurchlässigen Schicht. Diese Schicht befindet sich unter Glattfelden und Stadel in einer Tiefe von 800 bis 900 Metern. Die Sondierbohrungen werden voraussichtlich bis in 1400 Meter Tiefe reichen. Die Geologen wollen auch die darunterliegenden Gesteine prüfen.

BOHRUNGEN RUND UM DIE UHR

Die Bohrplätze werden über ein Jahr bestehen: Drei Monate dauern die Vorbereitungsarbeiten, mehrere Monate bis zu einem Jahr wird gebohrt. Die Bohrungen werden rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche durchgeführt - die Maschine steht nie still.

Weil die Bohrarbeiten für die Anwohner mit Umtrieben verbunden ist, wird sich die Nagra an den Lärmgrenzen für Industrie- und Gewerbezonen orientieren anstelle der weniger strengen Auflagen für Baustellen.

IN DEN GEMEINDEN RUMORT ES NICHT

An der Medienkonferenz anwesend waren auch Vertreter der Regionalkonferenz und der betroffenen Gemeinden. Von ihnen war kein Widerstand gegen die Pläne der Nagra zu spüren. Ernst Gassmann (FDP), Gemeindepräsident von Glattfelden, sagte: "Wir sind regelmässig informiert worden, das hilft, die Emotionen zu entschärfen."

Der parteilose Weiacher Gemeindepräsident Stefan Arnold sagte, der Gemeinderat habe für Oktober einen Ausflug für die Weiacher ins Zwischenlager in Würenlingen und in das Felslabor Mont Terri organisiert. Damit sollen die Einwohner an das Thema herangeführt werden.

In Stadel gab es laut Gemeindepräsident Dieter Schaltegger (SVP) bisher keine Kritik aus der Bevölkerung. Der Gemeinderat fragt sich aber, wie die Logistik für ein allfälliges Tiefenlager gelöst werden solle. Nach Stadel führt keine Bahnlinie.

NAGRA WOLLTE DAS GEBIET AUSSCHEIDEN

Das Gebiet Nördlich Lägern ist erst seit vergangenem Juli wieder im Gespräch als möglicher Lagerstandort. Die Nagra hatte vorgeschlagen, das Gebiet zusammen mit drei anderen zurückzustellen, weil die tiefere Lage des Opalinustons in Nördlich Lägern nicht optimal ist.

Ein Tiefenlager in etwas mehr als 400 Metern unter der Erdoberfläche gilt als ideal. Die Nagra hätte es vorgezogen sich auf das Zürcher Weinland und das Gebiet Jura Ost zu konzentrieren.

Die Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) kam jedoch zum Schluss, dass die vorhandenen Daten nicht ausreichten, um eindeutige Nachteile für Nördlich Lägern zu erkennen. Das Eidgenössische Nuklearinspektorat (ENSI), beschloss daraufhin, dass der Standort weiter untersucht werden solle.

(AWP)