Nationalbank führt Negativzinsen ein

Die SNB reagiert auf die Frankenstärke und führt Negativzinsen ein. Die Schweizer Währung fällt nach der Ankündigung, allerdings nur schwach.
18.12.2014 09:40
Macht seine «Drohung» wahr: Thomas Jordan, Direktionspräsident Schweizerische Nationalbank.
Macht seine «Drohung» wahr: Thomas Jordan, Direktionspräsident Schweizerische Nationalbank.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagiert auf die anhaltende Frankenstärke und führt Negativzinsen ein. Guthaben von Finanzinstituten auf den SNB-Girokonten werden künftig mit einem Zins in Höhe von -0,25% belastet, wie einer Mitteilung der SNB vom Donnerstagmorgen zu entnehmen ist.

Die Einführung von Negativzinsen soll das Halten von Frankenanlagen weniger attraktiv machen und damit den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro unterstützen. Der Franken sich nach Bekanntgabe am Devisenmarkt abgeschwächt.

Mit der Massnahme strebe die SNB an, dass der Dreimonats-Libor in den negativen Bereich fällt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Die Nationalbank dehnt deshalb das Zielband für den Dreimonats-Libor auf -0,75% bis +0,25% aus und erweitert es auf seine übliche Breite von 1 Prozentpunkt. Vorher hatte ein Zielband von 0% bis +0,25% gegolten.

Ab 22. Januar 2015

Der Negativzins wird auf Guthaben erhoben, die einen Freibetrag von 10 Millionen Franken pro Kontoinhaber übersteigen. Er soll ab dem 22. Januar 2015 gelten und bis auf weiteres erhoben werden. Diverse Nicht-Finanzinstitute wie der Bund, bundesnahe Betriebe und inländische Behörden werden von den Negativzinsen ausgenommen.

In den letzten Tagen hätten verschiedene Faktoren zu einer stärkeren Nachfrage nach sicheren Anlagen geführt, schreibt die Nationalbank in ihrer Mitteilung. Insbesondere seit der SNB-Sitzung vom Donnerstag vergangener Woche hatte der EUR/CHF-Kurs um den Wert 1,2010 Franken geschwankt. Am Markt waren in den letzten Tagen immer wieder Gerüchte aufgekommen, die SNB habe am Devisenmarkt intervenieren müssen.

Die Nationalbank bekräftigt in der Mitteilung vom Donnerstag den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro. Sie werde diesen weiterhin mit aller Konsequenz durchsetzen, versichert sie. Der Mindestkurs bleibe das zentrale Instrument, um eine unerwünschte Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen durch eine Aufwertung des Frankens zu verhindern. Die Nationalbank sei auch bereit, wenn nötig unbeschränkt Devisen zu kaufen und weitere Massnahmen zu ergreifen.

Am Devisenmarkt hat der Kurs des Franken unmittelbar auf die Ankündigung der SNB reagiert. In einer ersten Reaktion ist er bis auf 1,2093 hochgeschossen. Nun bewegt er sich aber wieder auf einem Niveau von 1,2044.

(cash)