Hügli meint

Nationalbank und der Eurokurs - SNB wird beim Franken die Zügel loslassen müssen

Die Schweizerische Nationalbank wird im Kampf gegen einen starken Franken die Negativzinsen wohl ausweiten. Dennoch wird sie nicht darum herumkommen, ihre Politik zu ändern und eine Frankenaufwertung zuzulassen.
12.03.2017 20:21
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

In den ersten neun Wochen 2017 haben die Franken-Sichtguthaben bei der Schweizerischen Nationalbank um fast 25 Milliarden Franken zugenommen. Die Sichtguthaben gelten als Richtschnur für den Umfang der Devisenmarktinterventionen der SNB zur Frankenschwächung . Zum Vergleich: Im ganzen letzten Jahr warf die SNB rund 60 Milliarden auf, um den Franken am Devisenmarkt zu schwächen. Es ist also absehbar, dass die SNB im ersten Quartal 2017 bereits die Hälfte des Interventionsvolumens 2016 erreicht haben wird. 

Das zeigt, wie schwer die Nationalbank an den Devisenmärkten seit Jahresbeginn unter Druck steht. Die Angst vor einem Wahlsieg der europakritischen Kandidatin Marine Le Pen in Frankreich begleitet von einem möglichen Wahlerfolg des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders setzt den Euro unter Druck und lässt Anleger wieder einmal in den "sicheren Hafen" Franken flüchten. Die Zahlen zeigen auch: Trotz umfangreicher Interventionen gelang es der SNB mehrheitlich nicht, den Franken in diesem Jahr abzuschwächen und nachhaltig über die Marke von 1,07 zu hieven. 

Am Donnerstag wird die SNB die Negativzinsen - ihr anderes Mittel zur Frankenabschwächung - dennoch (noch) nicht weiter ausweiten, wie am Markt bisweilen spekuliert wird. Die wieder positiveren Wirtschaftsaussichten der EZB haben den Franken am Ende der letzten Woche sowieso etwas abgeschwächt. Und die SNB wird die knappe Munition nicht leichtfertig vor den Wahlen in Frankreich verpulvern. Sondern dann, wenn die Märkte heiss laufen sollten.

Eine Ausweitung der Negativzinsen auf minus 1 oder minus 1,25 Prozent ist gleichwohl absehbar. Denn die SNB sieht sich auf mittlere Sicht gezwungen, mehr und mehr von ihrem Mittel der Devisenmarktinterventionen abzurücken. Die Bilanzrisiken der SNB steigen wegen des wachsenden zugekauften Devisenbergs monatlich - und damit die Kritik in der Schweiz. Kommt hinzu: Die USA führen die Schweiz wegen ihrer Interventionspolitik auf einer Beobachtungsliste als möglichen Währungsmanipulator. Kaum anzunehmen, dass die US-Sicht unter der Trump-Administration aufgeweicht wird.

Umstritten sind die SNB-Interventionen am Devisenmarkt schon lange. Man denke nur an die bizarr anmutenden Interventionsvolumen in der Ära von SNB-Präsident Philipp Hildebrand. Damals stand der Franken bei zwischen 1,60 und 1,30 pro Euro. 

Anbringen muss man Bedenken auch an der Wirksamkeit von Negativzinsen. Der Franken wird eine gesuchte Währung bleiben, unabhängig von der politischen Entwicklung in Europa. Investoren, die bei Panikstimmung im Markt einen sicheren Parkplatz suchen, werden sich auch von hohen Strafzinsen nicht abschrecken lassen. Die SNB wird nicht darum herumkommen, dem Druck nachzugeben und den Franken gegen den Euro aufwerten zu lassen.