Nationalrat verlangt mehr Mitsprache zu Internationalem

Bern (awp/sda) - Der Bundesrat soll das Parlament konsultieren müssen, bevor er in internationalen Gremien Stellung nimmt zu Richtlinien, für deren Umsetzung das Schweizer Recht angepasst werden muss. Das will der Nationalrat.
21.09.2016 14:36

Die grosse Kammer hat am Mittwoch parlamentarische Initiativen von Marco Romano (CVP/TI) und Thomas Aeschi (SVP/ZG) angenommen, mit 129 zu 50 beziehungsweise 125 zu 51 Stimmen.

Die Initianten haben insbesondere Richtlinien der OECD und Organisationen wie dem Global Forum und deren Standards zur Steueramtshilfe im Blick. Auch die Empfehlungen der "Groupe d'action financière" (GAFI) zur Geldwäscherei wurden als Beispiel genannt.

ZU VIEL MACHT

In den letzten Jahren habe der Bundesrat im Namen der Schweiz verschiedene Vorschriften und internationale Empfehlungen genehmigt und die Schweizer Politik somit vor die Aufgabe gestellt, diese Normen im innerstaatlichen Recht umzusetzen, kritisieren die Initianten.

Romano möchte den Bundesrat verpflichten, künftig das Parlament einzubeziehen. Aeschi fordert eine Informations- und Konsultationspflicht in den zuständigen Legislativkommissionen. Multilaterale Organisationen erhielten zunehmend Kompetenzen, gab er zu bedenken.

REGELN ANGEPASST

Erst im August sind neue Regeln in Kraft getreten. Doch diese genügen dem Nationalrat offenbar nicht. Der Bundesrat hatte auf Verordnungsebene präzisiert, wie er das Parlament bei aussenpolitischen Vorhaben konsultieren will.

Das Parlamentsgesetz hält fest, dass der Bundesrat die für die Aussenpolitik zuständigen Kommissionen zu "wesentlichen Vorhaben" im Bereich der Aussenpolitik konsultiert. Welche Vorhaben das sind, ist aber immer wieder umstritten.

WESENTLICHE ÄNDERUNG

Nun hat der Bundesrat den Ausdruck näher umschrieben. Als "wesentliches Vorhaben" gelten demnach Empfehlungen oder Beschlüsse internationaler Organisationen oder multilateraler Gremien, welche eine "wesentliche Änderung" eines Bundesgesetzes oder eines Staatsvertrages erfordern.

Weiter zählen jene Vorhaben dazu, bei denen gravierende Nachteile für die Schweiz zu erwarten sind, falls die Empfehlungen oder Beschlüsse nicht umgesetzt würden.

"DER BUNDESRAT IST KEIN PRINZ"

Romano sagte dazu, der Bundesrat habe einen unklaren Ausdruck mit anderen anderen unklaren Ausdrücken ersetzt. Es brauche eine klare Regelung. Und es dürfe nicht sein, dass die Exekutive definiere, welche Kompetenzen das Parlament habe. Das Parlament müsse das selber tun. "Der Bundesrat ist nicht ein Prinz, der dem Parlament einige Rechte gewährt", sagte Romano.

Eric Nussbaumer (SP/BL) befand dagegen, die Anliegen von Aeschi und Romano seien mit der geänderten Verordnung erfüllt. Den Initianten gehe es lediglich darum, mit ihren Vorstössen einen Erfolg vorweisen zu können. Dass sie das Thema aufgebracht hätten, sei gut, doch bringe es nichts, nun daran festzuhalten. Eine lange Diskussion darüber, was nun wirklich wesentlich sei, bringe nichts. Über die parlamentarischen Initiativen entscheidet nun der Ständerat.

cp/

(AWP)