Nationalratspräsidentin verabschiedet scheidende Ratsmitglieder

Nationalratspräsidentin Marina Carobbio (SP/TI) hat am Freitag zum Ende der Legislatur die 29 Ratsmitglieder verabschiedet, die am 20. Oktober nicht zur Wiederwahl antreten. Sie hob bei jeder und jedem Eigenheiten hervor - von der tiefen Stimme bis zur klaren Haltung. Eine Auswahl.
27.09.2019 10:00

Adrian Amstutz (SVP/BE) nannte Carobbio einen "Vollblutpolitiker mit Bodenhaftung". Er sei profiliert und einflussreich. Gradlinig und konsequent vertrete er seine ebenso klaren Positionen, sei es in der Ausländer-, der Sicherheits- oder der Verkehrspolitik. Amstutz habe sechs Jahre lang "mit natürlicher Autorität" die SVP-Fraktion präsidiert.

Hauseigentümerpräsident Hans Egloff (SVP/ZH) werde nicht zuletzt wegen seiner geselligen und kollegialen Art geschätzt, sagte Carobbio. "Und man hörte ihm gerne zu, nicht nur, weil er seine Anliegen ruhig und überlegt vorbrachte, sondern auch wegen seiner angenehmen und tiefen Stimme."

In den Rat eingefahren

Ulrich Giezendanner (SVP/AG) bezeichnete Carobbio als "Fuhrhalter der Nation", der 1991 in den Nationalrat "eingefahren" sei. Hans Grunder lobte sie für seine bodenständige und zupackende Art und den "harten Emmentaler Schädel", mit dem er beharrlich und zielstrebig seine Ziele verfolge.

Silvia Schenker (SP/BS) sei eine profilierte und dossiersichere Sozialpolitikerin, sagte Carobbio. Für sie stehe der Mensch im Zentrum. Unaufgeregt, dezidiert und mit klarer Haltung gebe sie den Schwächeren eine Stimme - jenen, die auf der Schattenseite des Lebens stünden.

Früchte getragen

Bea Heim (SP/SO) habe sich einen Namen gemacht als Gesundheitspolitikerin. Als Hobbygärtnerin wisse sie auch, wie lange etwas brauche, um zu wachsen und Früchte zu tragen. Ihr allererster Vorstoss vor 16 Jahren habe eine Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung verlangt. In der letzten Sommersession habe das Parlament schliesslich eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen.

Margret Kiener Nellen (SP/BE) bezeichnete Carobbio als "unerschrocken und standhaft". Sie wolle etwas bewegen und scheue die politische Auseinandersetzung nicht. Dabei setzte sie sich insbesondere für ein gerechtes Steuersystem, für Menschenrechte und die Gleichstellung von Frau und Mann ein.

Ja nicht aufregen

Bruno Pezzatti (FDP/ZG) habe sich einen Namen als kompetenter Finanz-, Gesundheits- und Sozialpolitiker gemacht. "Eine besondere Medienpräsenz sucht und braucht Bruno Pezzatti dabei nicht", stellte Carobbio fest. Ihn interessiere das politische Engagement und das Finden von Lösungen. Corina Eichenberger (FDP/AG) habe in einem Interview ihr Rezept gegen Stress verraten: "Sich ja nicht aufregen."

Der "bodenständige und volksverbundene" Milch- und Gemüsebauer Walter Müller (FDP/SG) habe sich konsequent für gute Rahmenbedingungen für den Menschen und die Wirtschaft eingesetzt. Karl Vogler (CSP/OW) wiederum verstehe sich als Mann der Mitte und des politischen Ausgleichs. "Das Spalten kennt er nur von seinem Hobby, dem Holzen."

Mit der Verabschiedung der scheidenden Ratsmitglieder endete für Carobbio das Jahr als Nationalratspräsidentin. Sie liess es mit Harfenklängen im Ratssaal ausklingen.

(AWP)