Navidi: «Fed wird erst Anfang 2014 handeln»

Im cash-Video-Interview äussert sich Finanzmarktexpertin Sandra Navidi zur möglichen Reduktion des Anleihekaufprogramms der US-Notenbank. Die ex-Roubini-Mitarbeiterin sagt, das Anlegen werde immer schwieriger.
19.06.2013 06:45
Von Frédéric Papp
Sandra Navidi, CEO Beyond Global, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Die Märkte warten gespannt auf das anstehende Treffen des Federal Open Market Committee (FOMC) heute Mittwoch. Alles dreht sich um die Frage: Wird die amerikanischen Notenbank Fed ihr Anleihekaufprogramm, das die Börsen so lange gestützt hatte, reduzieren -  und wenn ja, in welchem Umfang?

Einer kürzlich publizierten Bloomberg-Umfrage zufolge erwarten 80 Prozent der befragten Ökonomen eine Reduktion der Anleihenkäufe per Ende Oktober von derzeit 85 Milliarden auf 65 Milliarden Dollar monatlich.  In einer früheren Umfrage hatten die Ökonomen eine stärkere Reduzierung der Anleihekäufe auf 50 Milliarden Dollar erwartet.

Fed wird sehr vorsichtig agieren

Sandra Navidi, CEO und Gründerin des Beratungsunternehmens Beyond Global, ist skeptischer: "Es ist mittlerweile wahrscheinlicher, dass die Fed eine Reduktion der Anleihenkäufe erst Anfang nächsten Jahres vornehmen wird", prognostiziert Navidi im cash-Video-Interview und ergänzt: "Diese Reduktion wird graduell und mit grosser Vorsicht angegangen."

Spekulationen über ein mögliches Ende des US-Gelddruckprogramms sorgten jüngst für heftige Turbulenzen an den Märkten – und steigenden Renditen auf Staatsanleihen.

Nicht nur die Fed flutet die Märkte mit Liquidität, auch andere Zentralbanken wie die Bank of England oder die japanische Zentralbank richten mit der grossen Kelle an. Diese koordinierte Billiggeldpolitik macht eine Reduktion oder gar Beendigung für einzelne Zentralbanken schwierig: "Möglicherweise handeln sich Einzelstaaten einen Nachteil ein, wenn diese sich einzeln von der Billiggeldpolitik verabschieden", so Navidi.

Schwieriges Umfeld für Anleger

Das von den Notenbanken manipulierte Marktumfeld erschwert es Anlegern, Investitionsentscheide zu fällen. Die Märkte werden seit einiger Zeit von politischen Entscheiden getrieben und weniger von Fundamentaldaten.

Obwohl sich die Märkte zusehends von der Realwirtschaft abkoppeln, empfiehlt Navidi dennoch bei den Anlageentscheiden auf Fundamentaldaten zu setzen. Dies erfordert aber den Zugang zu relevanten Informationen: "Ist man gut vernetzt und hat die Nase vorn, kann man mithalten, sonst nicht", sagt Navidi, die mit dem Top-Ökonomen Nouriel Roubini zusammenarbeitete.

Privatanleger hingegen können die Selektion und Interpretation der Informationsflut nur schwer bewältigen. Erschwerend kommt laut Navidi der elektronische Handel hinzu, der das Marktgeschehen derart stark beeinflusst, dass er selbst Teil des Marktes wird. Mit der Geschwindigkeit des elektronischen Handels können Privatanleger nicht mithalten, so die Finanzmarktexpertin.

In Zeiten grosser Unsicherheit, wie sie derzeit vorherrschen, empfiehlt Navidi, in erster Linie auf den Vermögenserhalt zu setzen. Anleger sollten nur in Werte investieren, die sie auch verstehen. Als relativ sicher bewertet Navidi Aktien von grossen, etablierten und international ausgerichteten Firmen. Empfehlenswert sei auch die Hilfe professioneller Investoren zu beanspruchen, indem man zum Beispiel in Anlagefonds investiert.

 

Im Video-Interview äussert sich Navidi zu den kürzlich angepassten Konjunktur-Prognosen von IWF und Weltbank und geht detaillierter auf die Herausforderungen rund um das Fed-Anleihenkaufprogramm ein.

 

Sandra Navidi ist Gründerin und Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Beyond Global. Zuvor arbeitete sie fast drei Jahre für den amerikanischen Top-Ökonomen Nouriel Roubini. Die gebürtige Deutsche lebt seit zwölf Jahren in New York.