«Negativzinsen, weil wir attraktiv sind»

Für Jacques de Watteville, Leiter des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen SIF, bleibt der Schweizer Finanzplatz attraktiv. Die jüngsten Aktionen der SNB unterstreichen das, sagt er im cash-Video-Interview.
05.02.2015 14:18
Von Marc Forster
Jacques de Wattevill im Video-Interview mit cash.
Bild: cash

So dürften die Negativzinsen, die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) im Dezember eingeführt und am 15. Januar auf 0,75 Prozent festgesetzt wurden, der Strahlkraft der Schweizer Banken in der Welt wenig anhaben, sagt Staatssekretär de Watteville im cash-Video-Interview: "Die Negativzinsen haben wir, weil wir zu attraktiv sind." Die Schweiz behalte ihr Image als sicheren Hafen. Der Leiter des SIF und enge Mitarbeiter von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf geht davon aus, dass der Finanzplatz und insbesondere die schweizerische Vermögensverwaltung attraktiv bleiben.

Eine der grössten Herausforderungen für den Schweizer Finanzplatz sei die Stabilität der weltweiten Märkte, sagte de Watteville. Im Rahmen der G20, des Financial Stability Board und des IWF sei die Schweiz sehr aktiv, zu stabilen Finanzmärkten beizutragen. Wichtig für die Schweiz und die Wettbewerbsfähigkeit der Finanzunternehmen seien allerdings gleichlange Spiesse: "Wir wünschen uns, dass die internationalen Standards in der Schweiz implementiert werden, aber genauso auch im Ausland."

Weiterhin schwierige Verhandlungen

Die Bereinigung der Steuersünder-Vergangenheit der Banken mit zahlreichen Ländern kommt laut de Watteville voran. Im Steuerstreit mit den USA hätten die mit dem amerikanischen "Non-Prosecution Agreement" konfrontierten Banken sehr viel zu tun gehabt. Die Aushandlung von Straffreiheit für die Banken im Gegenzug für den Austausch von Informationen sowie Bussenzahlungen, wie ihn die Schweiz und die USA Ende August 2013 beschlossen, sei ein schwieriges Dossier gewesen.

Hierbei habe sich die Situation verbessert. "Der nächste Schritt werden jetzt die Verhandlungen zwischen den Banken und dem amerikanischen Justizdepartement darüber sein, was die Banken bezahlen müssen", sagte de Watteville. Dies seien weiterhin schwierige Verhandlungen, aber diese seien nun vor allem die Angelegenheit der einzelnen Banken.

"Im beiderseitigen Interesse"

Die Lösung der Steuerstreites mit den USA und mit anderen Ländern - in Europa, aber auch verstärkt in Übersee - sieht Jacques de Watteville im Interesse aller Beteiligten. Dabei stehe der Automatische Informationsaustausch (AIA) mit den wichtigsten Wirtschaftspartnern der Schweiz im Vordergrund, also der EU, der EFTA und den Ländern der G-7. "Nehmen wir zum Beispiel Italien: Wenn wir den AIA ohne eine Regularisierung für die Vergangenheit einführen, wird einen grosser Abfluss von Geld stattfinden. Das ist nicht im Interesse Italiens, weil dann dieses Kapital nicht besteuert werden kann, aber auch nicht in unserem Interesse, weil die Banken dieses Geld nicht mehr verwalten", sagt de Watteville.

In den Gesprächen mit Italien habe es sehr viele Fortschritte gegeben. Der grösste Teil des deutschen Geldes in der Schweiz sei schon den geltenden Steuerbestimmungen angepasst worden. Letztlich müsse aber mit allen Ländern von Fall zu Fall angeschaut werden, welche Probleme und Herausforderungen bestünden. Vor allem ausserhalb Europas und der USA bestünden mit einigen Ländern noch viele offene Fragen.

Jacques de Watteville ist Staatssekretär im Eidgenössischen Finanzdepartement und leitet das SIF seit 2013. Davor war er im diplomatischen Dienst der Schweiz tätig, in den er 1982 eingetreten war. De Watteville war unter anderem Botschafter in Syrien, bei der Europäischen Union in Brüssel sowie in China.

Das cash-Video-Interview mit Jacques de Watteville fand im Rahmen des Messe Finanz '15 in Zürich statt.