Nervöse Investoren - Hedging-Kosten für europäische Aktien schnellen in die Höhe

Kurz vor der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen versuchen Anleger händeringend ihre Gewinne abzusichern. Denn europäische Aktien sind auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr gestiegen.
14.04.2017 08:49
Wie reagieren die Börsen auf die französischen Wahlresultate? Eine Prognose ist schwierig.
Wie reagieren die Börsen auf die französischen Wahlresultate? Eine Prognose ist schwierig.
Bild: pixabay.com

Die Kosten zur Absicherung gegen Kursverluste des Euro Stoxx 50 Index befinden sich auf dem höchsten Niveau seit dem Votum der Briten über die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Vor nur etwas mehr als einer Woche hatten sich die Kosten noch in der Nähe eines 15-Monats-Tiefs bewegt. Und obwohl sich die Aktien zuletzt stabil entwickelt haben, legt ein Mass der Volatilitätserwartungen seit zehn Tagen zu, was die längste Serie seit November darstellt.

Während der unabhängige Kandidat Emmanuel Macron und die euroskeptische Marine Le Pen noch immer die Umfragen vor der Wahlrunde am 23. April anführen, gewinnt der weit links angesiedelte Jean-Luc Melenchon an Boden. Das schürte die Sorge, dass es bei den Präsidentschaftswahlen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen könnte. Nach dem überraschenden Brexit und dem unerwarteten Wahlsieg von Donald Trump im vergangenen Jahr wollen die Anleger sichergehen, nicht wieder auf dem falschen Fuss erwischt zu werden, erklärte Daniel Murray von EFG Asset Management.

"Die Umfragen sind weniger zuverlässig geworden, und diese Erkenntnis belastet die Marktstimmung", sagte Murray, Research-Leiter von EFG in London. "Je näher der Termin rückt, desto mehr drehen sich die Gedanken um die Möglichkeit, dass Le Pen gewählt wird. Die Chance ist zwar gering, aber nicht null."

Bewertung auf Fünf-Jahreshoch

Auch angesichts der bevorstehenden Berichtssaison und wegen aufkommender Spekulationen über eine Verringerung der EZB-Impulse im Zuge der sich bessernden Wirtschaft wollen Händler ihre Gewinne hedgen, so Murray. Der Euro Stoxx 50 hat im bisherigen Jahresverlauf 5,5 Prozent zugelegt, was die Bewertung auf das 14,4-fache der erwarteten Gewinne brachte - den höchsten Stand in fünf Jahren.

Die Preisdifferenz zwischen Optionen zur Absicherung gegen einen Rückgang des europäischen Index um zehn Prozent gegenüber Kontrakten, die auf einen ähnlichen Anstieg setzen, hat sich in diesem Monat verdoppelt - und damit den stärksten Zuwachs seit Dezember 2014 verzeichnet. Die April-Futures auf den VStoxx Index, ein Mass der Kosten von Optionen auf den Euro Stoxx 50, werden mittlerweile etwa 30 Prozent über den Mai-Kontrakten gehandelt. Das signalisiert, dass Anleger mehr dafür bezahlen, sich kurzfristig gegen Kursschwankungen abzusichern.

Nervosität in Frankreich besonders hoch

Wird speziell der CAC 40 Index betrachtet, ist ein Mass für die Volatilitätserwartungen für den französischen Leitindex seit zehn Tagen in Folge gestiegen. Das war die längste Aufwärtsphase seit August 2011. Die Anzahl der ausstehenden CAC-40-Optionen ist derweil auf den höchsten Stand seit Dezember 2010 hochgeschossen.

Politische Unsicherheit ist zwar ein wichtiger Faktor für die Stimmungslage, doch ein viel fundamentaleres Thema könnte die diesjährige Marktrally kippen: Anleger werden ihr Augenmerk schon bald auf die Ergebnisvorlagen richten, wenn Konzerne wie Unilever und Deutsche Bank im weiteren Monatsverlauf ihre Quartalszahlen vorlegen. Analysten, die für 2017 einen Anstieg der Unternehmensgewinne im Euro Stoxx 50 um 9,5 Prozent vorhersagen, dürften nach Einschätzung von HSBC zu optimistisch sein.

"Die Ergebnisse sind gedrückt, doch unserer Meinung nach ist die erhoffte starke Erholung unwahrscheinlich", schrieb HSBC-Stratege Ben Laidler vergangene Woche in einem Bericht. "Und ohne diese sind europäische Aktien nicht günstig."

(Bloomberg)