«Nervosität an den Börsen wird zunehmen»

Die Märkte werden unruhig bleiben, sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt im Video-Interview. Weiter äussert er sich zu den Folgen einer US-Pleite und er sagt, wann den USA definitiv das Geld ausgeht.
16.10.2013 12:49
Von Ivo Ruch
Daniel Kalt: Chefökonom der UBS.
Bild: cash

Das Seilziehen um das US-Budget nimmt vorerst kein Ende. Zwar stehen Demokraten und Republikaner laut einem hochrangigen Demokrat kurz vor einer Vereinbarung, doch die anhaltende Ungewissheit macht die Finanzmärkte immer unruhiger. So schnellte das Angstbarometer der US-Börse am Dienstag von 16 auf knapp 19 Punkte.

Das wird sich so schnell nicht ändern. "Die Nervosität wird in den kommenden Stunden und in den nächsten ein bis zwei Tagen noch zunehmen", sagt UBS-Chefökonom Daniel Kalt im Video-Interview.

Die Ratingagentur Fitch hat bereits reagiert und gedroht, den USA das AAA-Rating zu entziehen. Der Dow Jones verlor daraufhin am Dienstag rund 0,9 Prozent und auch der Swiss Market Index (SMI) liegt am Mittwochmittag im roten Bereich.

«Banken sind besser kapitalisiert»

Können sich die zerstrittenen Parteien nicht einigen, droht ein Chaos mit unabsehbaren Folgen für die ganze Weltwirtschaft. Eine Finanzkrise wie nach der Lehman-Pleite vor fünf Jahren befürchtet Kalt jedoch nicht: "Heute sind die Banken besser kapitalisiert als noch vor zwei bis drei Jahren. Man hat aufgrund der verschärften Vorschriften höhere Liquiditätspolster." Und im Notfall stünden auch die Zentralbanken bereit, um die Märkte mit Liquidität zu versorgen.

Aber auch eine Einigung in letzter Minute bedeute nicht automatisch eine nachhaltige Lösung. "Es ist gut möglich, dass das Schuldenproblem nur für ein paar Wochen oder Monate gelöst wird und dann von neuem auftaucht", so Kalt. In diesem Fall prognostiziert er eine anhaltende Verunsicherung an den Märkten und eine mögliche Abschwächung der US-Konjunktur. Weiter wäre es möglich, dass die amerikanische Notenbank Fed noch länger wartet, um aus der ultraexpansiven Geldpolitik auszusteigen.

Spätestens am 22. oder 23. Oktober wird laut dem UBS-Chefökonom Kalt den USA das Geld definitiv ausgehen, wenn sich Demokraten und Republikaner nicht einigen können. Kommt hinzu, dass die USA seit dem 1. Oktober ohne einen Staatshaushalt auskommen müssen. Hunderttausende Beamte der Bundesverwaltung sind in Zwangsurlaub, viele Ämter sind geschlossen. Auch hier ist noch keine Lösung gefunden.

 

Im Video-Interview sagt Daniel Kalt zudem, welchen Einfluss der US-Streit auf den Dollar als Reservewährung hat.