Neuer Armeechef übernimmt mehrere Grossbaustellen

Bern (awp/sda) - Philippe Rebord übernimmt als Chef der Armee mit der Armeereform WEA, Bodluv und der Flugzeugbeschaffung für die Luftwaffe mehrere Grossbaustellen. Die Erwartungen, die die Politik formuliert, sind gross. "Zügig" soll er Reformen umsetzen, "straff" führen, den Militärdienst attraktiver und moderner machen. Doch dem Neuen wird vieles zugetraut.
16.09.2016 19:18

"Rebord erfüllt das geforderte Profil und hat das Vertrauen der Schweizerischen Offiziersgesellschaft", sagte deren Generalsekretär Daniel Slongo der Nachrichtenagentur sda auf Anfrage. Die Kompetenz und die Qualifikation des 59-Jährigen seien unbestritten.

Eine dieser Kompetenzen sind gemäss Slongo die guten Deutschkenntnisse des Wallisers. Viel wichtiger aus Sicht der Offiziere ist aber, dass Rebord die Umsetzung der Weiterentwicklung Armee (WEA) zu seiner Priorität Nummer eins erklärt hat, "was sich mit unseren Zielen deckt".

PROZESSE STRAFFER FÜHREN

Die Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats, Corina Eichenberger (FDP/AG), hält den neuen Armeechef Rebord "aus heutiger Sicht für den richtigen Mann für diesen Job". Rebord sei geeignet die WEA umzusetzen. Er kenne die Armee und habe viel Erfahrung. "Dass er die WEA umsetzt ist meine grösste Erwartung an ihn und seine grösste Aufgabe".

Die WEA werde am 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt, sagte Eichenberger. Rebord müsse entsprechendes Personal einsetzen und schauen, dass die Umsetzung "reibungslos verläuft".

Vor "grossen Herausforderungen" sieht SVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker Thomas Hurter den Armeechef. "Die Umsetzung der WEA ist eine grosse Kiste, die zwar gut aufgegleist wurde aber umfangreich ist." Es könnten Stolpersteine auftauchen, oder die Sache ziehe sich in die Länge. "Da muss der Armeechef dran bleiben."

Hurters Parteikollege in der Kommission, SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz mahnte, die Politik müsse den Armeechef bei dieser Arbeit wie versprochen unterstützen und ihm die technischen und finanziellen Mittel tatsächlich zur Verfügung stellen.

Das zweite Thema seien die Grossprojekte wie Bodluv und die Flugzeugbeschaffung. Beschaffungen dauerten aus heutiger Sicht zu lange und könnten deshalb scheitern. Der Chef der Armee müsse diese Prozesse straffer führen, damit sie politisch erfolgreich sein können.

Auch CVP-Nationalrat und Sicherheitspolitiker Jakob Büchler erwartet, dass der neue Armeechef die WEA "zügig umsetzt, dass er bei Luftwaffe Verbesserungen durchzieht, dass er die nächste Flugzeugbeschaffung zügig an die Hand nimmt."

MILITÄR ATTRAKTIVER MACHEN

Zudem müssten die "Armeemannbestände auch in Zukunft gesichert" sein. Dies kann der Armeechef erreichen, indem die Attraktivität des Militärdienstes erhöht wird, damit nicht zu viele Junge in den Zivildienst wechseln".

Auch SP-Kommissionsmitglied Chantal Galladé möchte, dass die Jobs im Militär attraktiver werden. "Die jungen Leute sollen das Gefühl haben, im Militär lerne ich etwas besonderes." Doch Galladé möchte im Gegensatz zu Büchler eine kleinere Armee, dafür eine, die wenn nötig mit zivilen Behörden zusammenarbeitet, zum Beispiel bei der Cyberabwehr.

NADELÖHR ZUM BUNDESRAT

Wie ein Armeechef seine Funktion ausfüllt, darüber sind sich die Sicherheitspolitiker nicht einig. Für Amstutz ist klar, "dass der Armeechef als Soldat die Armee führt. Eine Uniform macht aber noch keinen Soldaten."

Galladé möchte, dass die Armee "moderner" und "zeitgemässer" wird und ihren Führungsstil anpasst. Konkret möchte sie, dass sich auch Frauen wohler fühlen und dass endlich mit der Homophobie, der Schwulenfeindlichkeit, aufgeräumt wird.

Hurter sagte, der Job des Armeechefs selbst sei eine Herausforderung. Denn er sei eine Art Nadelöhr. Da dürfe der Armeechef weder ein Abblocker noch ein Filter sein, wenn es um Kritik an der Armee gehe.

An der Sprache wird es nicht scheitern: SP-Sicherheitspolitiker Carlo Sommaruga twitterte am Freitag augenzwinkernd: Die Ernennung des Romands Rebords zum Armeechef "schwächt die militärische Deutschschweizer Kumpanei" im VBS ein wenig.

DESOLATER ZUSTAND

Für die Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) ändert auch ein neuer Armeechef nichts am Zustand der Armee. Der Wechsel des Chefs "wird den desolaten Zustand der Armee nicht beheben", erklärte GsoA-Sekretär Lewin Lempert.

Da Rebord aus dem Umfeld von Bundesrat Guy Parmelin stamme, "können wir auch in Zukunft keine kritische Analyse der momentanen Fehlleistungen der Armee erwarten. Alles in allem wird jedoch egal welcher Armeechef nichts am mangelnden Sinn der Armee ändern."

cp/

(AWP)