Niederlande wollen Anteil an ABN Amro reduzieren

(Neu: Aussagen zu Quartalsbericht, Stellenkürzungen und mehr Details)
16.11.2016 18:33

AMSTERDAM (awp international) - Acht Jahre nach der Verstaatlichung und knapp ein Jahr nach dem Börsengang wollen die Niederlande ihren Anteil an der Bank ABN Amro verringern. Insgesamt sollen bis zu 65 Millionen Aktien in einem beschleunigten Verfahren zum Kauf angeboten werden, teilte der Konzern am Mittwochabend mit. Damit würde sich der Anteil der Niederlande von 77 auf 70 Prozent verringern.

ABN Amro gehört zu den wenigen Grossbanken in Europa, die ihren Börsenwert in diesem Jahr steigern konnten. Gemessen am Aktienkurs ist das Institut mit zuletzt mehr als 20 Milliarden Euro derzeit fast so viel wert wie die Deutsche Bank.

Der Staat hatte die ABN Amro 2008 im Zuge der Finanzkrise für 17 Milliarden Euro aufgekauft und weitere fünf Milliarden in deren Sanierung gesteckt. Die Bank konzentriert sich inzwischen grösstenteils auf den Heimatmarkt. Der Börsengang hatte den Niederlanden vor knapp einem Jahr rund 3,3 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült.

Am Mittwochmorgen hatte die Grossbank weitere Stellenstreichungen auf ihrem Sanierungskurs angekündigt. Um den Anstieg der Betriebskosten zu bremsen und Mittel für Investitionen freizumachen, sollen weitere 1500 Vollzeitstellen wegfallen, kündigte das Institut bei Vorlage seiner Quartalszahlen an. Die Zahl der Beschäftigten soll nun bis Ende des Jahrzehnts auf 23 000 sinken. Im vergangenen Jahr hatte ABN Amro noch 26 500 Mitarbeiter beschäftigt. Auch die Deutsche Bank und die Commerzbank haben in diesem Jahr die Streichung tausender Jobs angekündigt.

ABN Amro legte im dritten Quartal einen Gewinnsprung hin. Dank gesunkener Abschreibungen auf faule Kredite und einer geringeren Steuerbelastung verdiente die Bank unter dem Strich 607 Millionen Euro und damit 19 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das war mehr als von Analysten erwartet. Der operative Gewinn ging wegen gestiegener Betriebskosten jedoch um drei Prozent zurück. Die Bank will nun verstärkt in Wachstum und Digitalisierung investieren und ihre jährlichen Kosten dazu bis zum Jahr 2020 um rund 900 Millionen Euro senken.

ABN Amro war vor der Finanzkrise neben der ING das Aushängeschild der niederländischen Bank- und Versicherungslandschaft. 2007 war sie Ziel der mit 72 Milliarden Euro bisher teuersten Übernahme in der Branche. Käufer waren der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis, die spanische Bank Santander und das britische Haus Royal Bank of Scotland (RBS ). Die drei teilten die Bank untereinander.

Mit den finanziellen Schockwellen der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 brachen Fortis und RBS auch wegen des zu teuren Kaufs zusammen. Die Niederlande legten einen Teil von Fortis mit ABN Amro zusammen. Der Staat hielt im Zuge dessen alle Anteile./jha/stb

(AWP)