Nordkorea scheitert mit neuem Raketentest

Nordkorea hat am Sonntag wie befürchtet eine Rakete abgeschossen, allerdings offenbar ohne Erfolg. Nach Angaben der USA und Südkoreas explodierte die Rakete unmittelbar nach dem Start. Der Raketentest erfolgte nur Stunden vor einem Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence im Nachbarland Südkorea.
16.04.2017 12:18

Nach Angaben des US-Pazifik-Kommandos und des südkoreanischen Verteidigungsministeriums wurde die Rakete am frühen Sonntagmorgen in der Nähe der Hafenstadt Sinpo an der Ostküste Nordkoreas abgefeuert. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die Rakete sei aber "fast sofort explodiert".

Welcher Raketentyp genau getestet wurde, war zunächst unklar. Experten spekulieren, dass es eine Mittelstreckenrakete vom Modell KN-15 gewesen sein könnte. Denselben Raketentyp feuerte die nordkoreanische Armee bereits bei einem Test am 5. April von der Küstenstadt Sinpo ab. Das Geschoss flog damals 60 Kilometer, bevor es im Japanischen Meer versank.

"Ganze Welt bedroht"

Die südkoreanische Regierung verurteilte den Test. Nordkorea habe damit erneut "die ganze Welt bedroht". Grossbritannien äusserte sich "besorgt" über den Raketentest. Aussenminister Boris Johnson forderte Nordkorea auf, sein Atomwaffenprogramm zu beenden.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt mit einem Alleingang gegen Nordkorea gedroht. US-Verteidigungsminister Jim Mattis erklärte, "der Präsident und sein Militärteam" hätten "Kenntnis von Nordkoreas jüngstem erfolglosen Raketentest". Trump habe dazu aber "keinen weiteren Kommentar".

Die erneute Provokation Nordkoreas überschattet den Besuch von US-Vizepräsident Pence, der am Sonntag im US-Luftstützpunkt Pyeongtaek in Südkorea eintraf. Während der bereits seit langem geplanten Reise wird er am Montag mit Übergangspräsident Hwang Kyo Ahn zusammentreffen. Anschliessend reist er weiter nach Japan, Indonesien und Australien.

Sowohl Japan als auch Südkorea werden unmittelbar von Nordkorea bedroht und dürften vor militärischen Aktionen der USA warnen, die einen Flächenbrand in der Region auslösen könnten.

Zweifel an Echtheit von Raketen

Weltweit war befürchtet worden, dass Nordkorea anlässlich des 105. Geburtstags von Kim Il Sung einen sechsten Atomwaffentest vornehmen könnte. US-Experten zufolge zeigten Satellitenbilder verdächtige Aktivitäten auf dem Testgelände Punggye Ri.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - ein Enkel Kim Il Sungs - hatte allein im vergangenen Jahr zwei Atomwaffentests vornehmen lassen. Gleichzeitig arbeitet die nordkoreanische Führung an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

Das stalinistisch geführte Land verstösst damit gegen mehrere Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats. Diese untersagen Nordkorea den Abschuss ballistischer Raketen.

Bei einer Militärparade in Pjöngjang zum Geburtstag Kims waren am Samstag 56 Raketen verschiedener Bauart präsentiert worden, darunter möglicherweise auch eine neue Interkontinentalrakete. Experten zweifelten allerdings an der Echtheit aller bei der Parade präsentierten Raketen.

Lage spitzt sich zu

Der Konflikt um das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm hatte sich zuletzt verschärft. Trump drohte, die USA seien notfalls zu einem Alleingang bereit, wenn China nicht den Druck auf seine Verbündeten in Pjöngjang erhöhe. Vergangene Woche schickte die US-Armee einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe zur Koreanischen Halbinsel.

Im Gegenzug drohte Nordkorea den USA, einen Atomangriff mit einem entsprechenden Gegenschlag zu vergelten. Nordkorea sei bereit, einen "umfassenden Krieg mit einem umfassenden Krieg zu beantworten", sagte die Nummer zwei des Landes, Choe Ryong Hae. "Wir sind bereit, auf jeden Atomangriff mit einem Atomangriff auf unsere Weise zu reagieren."

(AWP)