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Notenbanken schütten die Angst zu

Die Angstbarometer sind so tief, dass es einem wiederum Angst macht. Doch droht Gefahr, sind die Notenbanken sofort zur Stelle. Kann das gut gehen?
04.07.2014 00:55
Von Frédéric Papp, Redaktor cash
Frédéric Papp, Redaktor cash.
Frédéric Papp, Redaktor cash.
Bild: cash

Allgemein wird Volatilität als zuverlässiges "Thermometer" für die Angst und Nervosität der Marktteilnehmer betrachtet. Das für die Börsen wichtigste Angstbarometer ist der CBO Volatility Index – kurz VIX. Der Index drückt die erwartete Schwankungsbreite des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 aus.

Der VIX ist auf den tiefsten Stand seit Januar 2007 gesunken. Auch das Schweizer Pendant, der VSMI, verharrt seit Längerem im Keller. Die Börsianer freuts. Sowohl der Dow Jones und der Dax liegen so hoch wie nie, und die Schweizer Börse ist auf dem Weg zu neuen Rekordständen.

Die tiefe Volatilität und steigende Börsen wecken Erinnerungen an die Zeit kurz vor der Finanzkrise. Im Sommer 2007 zog die Volatilität nach einer längeren Phase niedriger Raten zuerst zögerlich und dann sprunghaft an. In der Folge brachen die Börsen weltweit ein, der Swiss Market Index halbierte sich beinahe. Droht nun ein ähnliches Szenario? Ist nun der Zeitpunkt gekommen, den Börsen den Rücken zu kehren, ganz nach der Börsenweisheit: "When the VIX is low, it's time to go?"

Wohl kaum. Denn die Notenbanken sind sofort zur Stelle, wenn dem Finanzsystem Gefahr droht. Sie schütten die Finanzmärkte - und damit auch die Angst - mit Liquidität und beruhigenden Worten zu. Die Zinsen bleiben tief, müssen tief bleiben wegen der horrenden Staatsschulden. Die Zentralbanken weltweit und darunter die Schweizerische Nationalbank an vorderster Front, bestimmen den Börsentrend und dies schon seit dem Ausbruch der Finanzkrise.

Mit ihrer expansiven Geldpolitik vernebeln die Notenbanken den Blick auf die Gefahrenherde. Und deren gibt es einige. Die Ukrainekrise schwelt weiter vor sich hin, und der Irak steuert auf eine erneute Destabilisierung zu. Die Schuldenkrise in Europa ist trotz einer gewissen Entspannung alles andere als gelöst. Und wie es um das chinesische Bankensystem bestellt ist, bleibt nebulös.

Doch können die Notenbanken dieses Spiel ins Unendliche treiben und somit die Angst vor Kursrücksetzern an den Börsen dauerhaft kontrollieren? Wohl kaum und schon gar nicht bei folgendem, nicht unrealistischem Szenario: Steigt die Inflation in den USA stärker an als erwartet und ebenso die geschaffenen Jobs, muss die US-Notenbank die Schotten noch schneller als angenommen dichtmachen. Ansonsten riskiert sie eine sprunghaft ansteigende Inflation und damit ihre Glaubwürdigkeit.