Nowotny: London droht wegen Brexit problematischer Banken-Abzug

Österreichs Nationalbankchef und EZB-Rat Ewald Nowotny warnt davor, die Gefahren zu unterschätzen, die mit dem Austritt Grossbritanniens aus der EU (Brexit) verbunden sind - für die Briten wie für die Europäer. Es könne noch einiges an Verwerfungen geben. "Was gerade für den Finanzplatz London problematisch ist: Sehr viele Banken überlegen, ihre Aktivitäten in den Euroraum zu verlegen."
31.05.2017 21:11

Bei einer Börsenveranstaltung in Wien merkte Nowotny am Mittwochabend an, dass sich gerade in London die Sicht auf Österreich und auf die Banken dort dramatisch verbessert habe. Der Hypo-Alpe-Adria-Komplex habe hier ja wie eine dunkle Wolke gewirkt.

Hoffnungen auf einen Zuzug der jetzt noch in London ansässigen Europäischen Bankenaufsicht (EBA) nach Wien nährte Nowotny nicht. "Wir haben uns darum bemüht", sagte er, aber man solle die Chancen nicht überschätzen. Frankfurt sei da massiv unterwegs. Das Hauptinteresse der österreichischen Regierung gelte ja einer grösseren Agentur, der Arzneimittelagentur.

Sorgen wegen des Brexit hat Nowotny vor allem wegen des Zeitdrucks. Die Verhandlungen mit London sollen nach jetzigen Verträgen innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein. Das sei ein enormes Zeitproblem. Es wäre zwar möglich, um ein Jahr zu verlängern, der Notenbanker sieht indes auch die Gefahr, dass ein "vertragsloser Zustand" entsteht. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man zuschaut, wie die Dinge ins Chaos gleiten. Man wird schon was finden." Aber sehr beruhigend sei das nicht.

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) meinte, wenn Grossbritannien so weitermache, dann werde es zu "Little England" schrumpfen. Er sei sich nicht sicher, dass am Ende der Verhandlungen die Bedingungen so sein würden, dass das Vereinigte Königreich wirklich austrete./rf/tsk/ivn/APA/he

(AWP)