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Nun drohen noch höhere SNB-Negativzinsen

Die Schweizerische Nationalbank kann fast nur noch an der Negativzinsschraube drehen, um den Franken im Griechenland-Drama abzuschwächen. Doch sie riskiert damit viel.
28.06.2015 22:44
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Es ist noch keine zwei Wochen her, da sagte Nationalbank-Präsident Thomas Jordan im cash-Interview: "Ein Grexit ist kein Hauptszenario für uns." Gleichzeitig fügte er aber an: Die Lage rund um Griechenland sei ein "grosses Risiko". Man könne nicht ausschliessen, dass es zu einem Unfall komme.

Nun, Jordan lag mit seiner angefügten Variante richtig: Der Griechenland-Unfall ist da, und es ist der schlechtere Ausgang für die Schweizerische Nationalbank und die Schweizer Volkswirtschaft. Diese ist bekanntlich stark exportorientiert, und ein starker Franken hat eine negative Wirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie. 

Auch wenn die Entwicklungen rund um Griechenland noch nicht richtig abschätzbar sind und auch wenn ein vollumfänglicher Austritt Griechenlands aus der Eurozone de jure nach wie vor kaum möglich ist: Die Entwicklungen vom Wochenende haben das Zeug, den Schweizer Franken nochmals kräftig aufzuwerten.

Vorläuferbeispiele gibts ja: Im heissen Schuldenkrisen-Sommer 2011 in der Eurozone erreichte der Euro nach einem Sturzflug quasi die Parität zum Euro. Kurz darauf führte die SNB die Kursuntergrenze zum Euro ein. In der Zypernkrise vor zwei Jahren stieg der Franken gegen den Euro ebenfalls stark an.

Die Griechenland-Entwicklung treibt die SNB nun wieder deftig in die Enge. Die Nationalbank hat in den letzten Jahren die Munition aber weitgehend verschossen - und weitgehend wirkungslos. Sie hob die Kursuntergrenze im Januar auf. Sie wird eine solche - oder die Anbindung des Franken an einen Währungskorb - nicht wieder einführen können. Tut sie das dennoch, würde sie an den Märkten mangels Glaubwürdigkeit ausgelacht und das SNB-Direktorium müsste unverzüglich abtreten.

Die SNB hat in den letzten sieben Jahren zudem dreistellige Milliardensummen an den Devisenmärkten ausgegeben, um den Franken zu schwächen. Die Aufkäufe von Euros haben nicht viel bewirkt. Ausser, dass sie die Bilanzsumme der SNB massiv aufgeblähten. 

Es bleiben die Negativzinsen auf Girokonten der SNB, welche die Nationalbank im Januar als "Alternative" zur Kursuntergrenze eingeführt hatte. Sie stehen derzeit bei minus 0,75 Prozent. Wirkung gegen die Frankenstärke bislang: zweifelhaft. Nun wird die SNB eine Ausweitung dieser Negativzinsen in Betracht ziehen. Damit wird sie die Opfer dieser Strafzinsen - Pensionskassen, Versicherer, Sparer - noch härter treffen. Im schlimmsten Fall wird damit eine ernsthafte Rentendiskussion in der Schweiz losgetreten.

Es bleibt die SNB, welche sich als kleine Nationalbank in einem Devisenmarkt von 6 Billionen Dollar Umsatz täglich kaum mehr behaupten kann. Und es bleibt ein Land, dass einen Leistungsbilanzüberschuss einfährt, über sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte verfügt und eine stabile Politik hat. "Für solche Länder gibt es nur eine Option, und zwar eine stärkere Währung im Laufe der Zeit. Das ist der Fluch des Erfolgs in der heutigen Welt", wie es der Chef-Devisenstratege der HSBC kürzlich treffend ausdrückte.