WEF 2017

«Ölpreis stabilisiert sich bei etwa 55 Dollar»

Energieexpertin Regina Mayor erwartet eine Stabilisierung des Ölpreises. Trotz grosser Veränderungen in der Versorgung glaubt sie auch, dass die traditionelle Energieversorgung weiter gefragt bleibt - auch Atomstrom.
17.01.2017 18:04
Von Marc Forster, Davos
Regina Mayor, Leiterin für das Energieressort bei KPMG.
Bild: cash

Angebot und Nachfrage würden beim Ölpreis wieder stärker in die Balance kommen, sagt Regina Mayor, für das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG das globale Energieressort leitet: "Dies sorgt für Stabilität bei der Marke von 55 Dollar.“ Mayor sagt dem Ölpreis im cash-Video-Interview am WEF in Davos für das laufende Jahr eine Schwankungsbreite zwischen 50 bis 60 Dollar voraus.

Der Chef der Internationalen Energie Agentury IEA, Fatih Birol, sagte vor einigen Tagen einen schwankungsanfälligen Ölmarkt voraus. Er argumentierte, dass die Förderbeschränkungen der Opec-Länder (zu denen die Produktionsländer USA und Russland nicht zählen) den Preis nach oben treiben würden. Die USA könnte hingegen den Ausstoss erhöhen. Die US-Grossbank Morgan Stanley indessen glaubt, dass der Ölpreis auf 69 Dollar steigen wird. Dies würde bedeuten, dass sich das Angebot dieses Jahr verknappt.

Mayer teilt diese Prognose nicht. Ein Ölpreis  zwischen 50 und 60 Dollar hält sie nicht für besonders volatil: "Es hängt natürlich davon ab, wie man Volatiltät definiert. Für mich ist das aber noch keine allzugrosse Schwankung, und die Ölbranche wird damit gut leben können."

"Nuklearenergie besteht noch Jahrzehnte"

Abgesehen von dieser Progonse werde Öl noch lange ein wichtiger Teil der Energieversorgung bleiben, unbesehen davon, dass Gas und erneuerbare Ressourcen als Energieträger ebenfalls weiter wachsen und sogar den Marktanteil von Öl verkleinern würden. Was Mayor ebenfalls voraussagt, ist ein weiteres Festhalten an der Versorgung durch Atomstrom.

"Ich bin selber Fan der Nuklearenergie", sagt Mayor. Sie hält die Entscheidung der Schweizer Stimmbüger gegen den Ausstieg aus der Atomenergie vom 27. November für richtig. "Die USA handeln dagegen voreilig, wenn sie einige Nuklearanlagen nun stilllegen." 

Für Versorgung mit Atomstrom gebe es bereits eine wichtige Infrastruktur, die man weiter nutzen könne. "Ich denke, dass Nuklarenergie weiterhin ein wichtiger Teil der Gesamtversorgung bleibt und dass wir sie noch Jahrzehnte nutzen werden."

Gleichzeitig würden so genannte Dispruptoren die Energieerzeugung der nächsten Jahrzehnte prägen. Gemeint sind Technologien, die einen völlig neuen Ansatz verfolgen und die traditionellen Formen in Frage stellen. Mayor denkt dabei an Energierzeung, die auf der Wiederverwertung von Kohlenstoff basieren. "Wir können noch gar nicht erahnen, was die grossen Disruptoren sein werden."

Im cash-Video-Interview geht Regina Mayor noch verstärkt auf das Thema erneuerbare Energien ein. Sie sagt auch, inwieweit das WEF geeignet ist, Themen der Nachhaltigkeit zu behandeln.