Öl-Länder wollen mit Förderkürzung Preis nach oben treiben

Wien (awp/sda/dpa/reu) - Mit einem historischen Schulterschluss wollen das Ölkartell Opec und andere Förderländer die Preise für Rohöl weiter nach oben treiben. Sie einigten sich auf eine gemeinsame Kappung ihrer Öl-Produktion. Die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl könnten kurzfristig steigen.
11.12.2016 14:43

Die rund zehn in Wien vertretenen Nicht-Opec-Länder sagten bei einem Treffen am Samstag in Wien zu, ihre Produktion gemeinsam um 558'000 Fass (je 159 Liter) pro Tag zu drosseln - etwas weniger als die vorher erhofften 600'000. Das berichtete der Ölminister Katars, Mohammed Bin Saleh Al-Sada. Gemeinsam mit der schon beschlossenen Kürzung bei der Opec soll dies die weltweite Ölförderung um rund zwei Prozent drücken.

Die Ölförderländer leiden unter dem seit 2014 stark zurückgegangenen Ölpreis, der von mehr als 100 Dollar auf zwischenzeitlich etwa 30 Dollar zu Jahresbeginn 2016 eingebrochen war.

Die nun getroffene Absprache ist die erste dieser Art zwischen Opec und Nicht-Opec seit 2001. Der Energieminister des weltgrössten Öl-Exporteurs Saudi Arabien, Khalid al-Falih, nannte die Einigung "historisch". Diese lege eine Basis für eine langfristige Kooperation der Länder. Nun wird mit Spannung auf die Reaktion am Ölmarkt gewartet: Bereits am Freitag war der Ölpreis in Erwartung einer Einigung um ein Prozent gestiegen.

ÜBER 20 LÄNDER MACHEN MIT

Russland als aktuell grösster Ölproduzent will allein 300'000 Barrel weniger produzieren. Allerdings werde die Drosselung allmählich beginnen und erst im April oder Mai den vollen Umfang erreichen, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak der Agentur Tass.

Die Massnahme unterstützt die jüngst von der Opec beschlossene eigene Kürzung ihrer Produktion um 1,2 Millionen Barrel am Tag im ersten Halbjahr 2017. Die Opec-Produktion soll künftig bei 32,5 Millionen Barrel liegen. Insgesamt haben sich nun mehr als 20 Länder entschieden, weniger Öl zu fördern. Die Förderkürzungen sollen von einem gemeinsamen Komitee aus fünf Opec- und Nicht-Opec-Ländern überwacht werden.

Die beteiligten Länder repräsentieren mehr als die Hälfte der weltweiten Öl-Produktion. Die Vereinbarung lege den Grundstein für eine langfristige Kooperation, sagte Nowak. Der saudische Ölminister Chalid al-Falih sagte, die Massnahme diene nicht nur Produzenten und der Öl- und Gasindustrie, sondern auch der Weltwirtschaft.

UMSETZUNG UNSICHER

Die Vereinbarung wird nach Überzeugung von Analysten den Ölpreis kurzfristig steigen lassen. Allerdings erwarten Experten mittelfristig keine deutliche Verteuerung. Selbst mit den Kürzungen - sollten sie überhaupt Bestand haben - sei im ersten Halbjahr zu viel Öl auf dem Markt.

Die Umsetzung ist zudem nicht in Stein gemeisselt. In der Opec mit ihren derzeit 13 Mitgliedern haben sich in der Vergangenheit nicht immer alle Länder an vereinbarte Quoten gehalten. Auch Russland hatte vor 15 Jahren sein Versprechen zur Reduzierung der Fördermenge nicht eingehalten.

Beobachter gehen aber davon aus, dass es Moskau diesmal ernst meint. "Alle freuen sich über höhere Preise und anfangs werden sie sich auch an die Vereinbarung halten", sagte Gary Ross vom Beratungsdienst Pira Energy. Wenn der Ölpreis dann aber weiter steige, dürfte die Verpflichtung nachlassen.

Zudem dürfte bei einem steigenden Preis auch in den USA mehr Öl gefördert werden: Je höher der Ölpreis ist, desto rentabler lässt sich der Rohstoff dort aus Schiefergestein pressen. "Die Realität ist nun einmal so, dass bei Preisen über 50 Dollar die US-Ölförderer wieder zu bohren beginnen", sagte jüngst Dean Rogers, Chef-Analyst beim auf Energie spezialisierten Hedge-Fonds Kase & Co.

BENZIN-VERTEUERUNG MÖGLICH

In der Schweiz zeigten sich Experten nach der Einigung der Opec Ende November skeptisch, wie stark und rasch das Abkommen das Öl-Angebot tatsächlich reduzieren werde. Nebst dem Preis für das Produkt Benzin/Diesel haben weiter auch die Wechselkurse und die Tarife der Rheinschifffahrt einen Einfluss auf die Preise an den Tankstellen.

Sollten allerdings die Rohölpreise weiter steigen, dürften die Treibstoffpreise in der Schweiz anziehen. Weil sich der US-Dollar gegenüber dem Franken aufgewertet hat und die Frachtkosten tendenziell steigen, dürfte der Gesamteffekt zu einer Preisanpassung an den Tankstellen führen.

(AWP)