Opposition in Venezuela will Proteste trotz Gewalt fortsetzen

Die Opposition in Venezuela will den Druck auf Staatschef Nicolás Maduro trotz der ausufernden Gewalt aufrechterhalten. Für Samstag kündigten die Regierungsgegner einen Protestmarsch weissgekleideter Demonstrantinnen in der Hauptstadt Caracas an.
06.05.2017 15:41

In Valencia und Caracas lieferten sich Demonstranten und Sicherheitskräfte am Freitag erneut Strassenschlachten. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Protestwelle stieg nach dem Tod eines 22-jährigen Demonstranten auf 36.

Der junge Mann war am Donnerstag in Valencia von einem Projektil im Kopf getroffen worden, einen Tag später erlag er seinen Verletzungen. Die Grossstadt im Norden Venezuelas ist seit Tagen Schauplatz von Plünderungen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und Einsatzkräften.

Nach Angaben der örtlichen Handelskammer wurden seit Dienstag 70 Geschäfte in Valencia verwüstet und ausgeraubt. "Sie nutzen die Proteste, um auf Raubzüge zu gehen", sagte die 64-jährige Hausfrau Magaly Oliveros. Viele Einwohner versuchten sich aus Angst vor weiteren Ausschreitungen mit Essen, Wasser und Benzin einzudecken.

Tägliche Strassenschlachten

In der Stadt Rosario de Perijá im Westen des Landes zerstörten Studenten eine Statue des 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez, wie auf Videos zu sehen war, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden. In Caracas schlug eine Demonstration von Studenten in Gewalt um.

Demonstranten und Sicherheitskräfte liefern sich seit Beginn der Protestwelle Anfang April fast täglich Strassenschlachten, bei denen mehr als 700 Menschen verletzt wurden. Beide Seiten machen sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

Die Mitte-Rechts-Opposition kämpft für vorgezogene Parlamentswahlen und eine Volksabstimmung über die Absetzung von Maduro, dessen Mandat regulär im Januar 2019 endet. Die Regierungsgegner laufen ausserdem Sturm gegen die geplante Verfassungsreform, die der Präsident am Montag angekündigt hatte.

Erste Risse bei der Armee?

"Das Regime fällt", sagte am Freitag die Ehefrau des inhaftierten Oppositionspolitikers Leopoldo López, Lilian Tintori. "Es hat keine Kraft und zeigt sein wahres Gesicht, indem es Waffen einsetzt."

Maduro kann sich bislang auf die Rückendeckung der mächtigen Armee verlassen. Verteidigungsminister und Militärchef Vladimir Padrino López hatte Mitte April die "bedingungslose Loyalität" des Militärs gegenüber Maduro bekräftigt.

Nach Angaben von Oppositionsführer Henrique Capriles zeigen sich aber erste Risse innerhalb der Armee. 85 Soldaten seien festgenommen worden, nachdem sie ihren Unmut über die "Unterdrückung" der Proteste geäussert hätten, erklärte Capriles. Er berief sich auf Aussagen von Angehörigen. Von offizieller Seite wurden seine Angaben nicht bestätigt.

(AWP)