Parlamentswahlen - Österreichischer Aktienmarkt vor möglichem Auftrieb durch Wahlen

Auch die Möglichkeit, dass eine Partei vom rechten Rand bei den österreichischen Wahlen am Sonntag mit an die Macht kommen könnte, dürfte den besten Aktienmarkt Europas im bisherigen Jahresverlauf wohl nicht ausbremsen.
14.10.2017 10:27
Neu und alt: Blick auf die Domkirche St. Stephan in Wien.
Neu und alt: Blick auf die Domkirche St. Stephan in Wien.
Bild: cash

Es wird davon ausgegangen, dass die konservative ÖVP - die in Meinungsumfragen vorne liegt - eine Koalition mit der rechstpopulistischen FPÖ bilden wird. Da sich die letztgenannte Partei von ihrer Anti-EU-Rhetorik der Vergangenheit inzwischen gelöst hat, sehen Fondsmanager eine Partnerschaft zwischen den beiden als etwas, was den Austrian Traded Index grundsätzlich weiter voranbringen sollte.

Investoren erwarten, dass eine solche Koalition die 27-Prozent-Rally des Börsenbarometers seit Jahresbeginn weiterlaufen lassen wird - aufgrund von geringeren Unternehmens- und Lohnsteuern, welche die Steuerlast der Firmen senken und die Inlandsnachfrage stärken dürften.

Hier ist eine Übersicht dazu, welche Auswirkungen Investoren, Analysten und Volkswirte von den anstehenden Wahlen erwarten:

Raiffeisen Kapitalanlage

"Falls ÖVP und FPÖ zusammenkommen, würde sich das insgesamt auf die Stimmung an den Finanzmärkten positiv auswirken, einschliesslich Aktien", sagte Günther Schmitt, Fondsmanager bei der Raiffeisen Kapitalanlage in Wien, in einem telefonischen Interview mit Bloomberg. "Auf der anderen Seite müssen wir realistisch sein - kurzfristig wird es wahrscheinlich keine Auswirkungen geben."

Schmitt zufolge könnte die Privatisierung nach den Wahlen zu einem wichtigen Thema werden, weil es eine einfache Möglichkeit sei, einen erheblichen Geldbetrag in die Haushaltskasse zu bekommen. Ein möglicher Kandidat ist die Bundesimmobiliengesellschaft mbH, sagte er. Hinzu komme die Österreichische Post.

UniCredit Bank Austria

"Der Markt kann eine viel wirtschaftsorientiertere Regierung erwarten als die derzeitige", sagte Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria in Wien. Er geht davon aus, dass Industrie- und Immobilienunternehmen von Steuerermässigungen profitieren werden, weil sie "tendenziell viel investieren". Und Finanzdienstleister, die dem lokalen Markt ausgesetzt seien - wie beispielsweise Erste Group Bank AG und Versicherungsgesellschaften - dürfte die steigende Inlandsnachfrage zugute kommen, sagte er.

Matejka & Partner Vermögensverwaltung

"Österreichische Unternehmen leisten bereits gute Arbeit - kein politischer Einfluss ist notwendig, er wird lediglich eine Hilfe sein", sagte Wolfgang Matejka, Chef von Matejka & Partner Asset Management in Wien. "Die neue Regierung möchte möglicherweise ihre bestehenden Beziehungen zu osteuropäischen Nachbarn verstärken, was für Unternehmen, die Verbindungen zu diesen Märkten haben, gute Aussichten sind."

City Index

"Letztlich wird der österreichische Markt eher auf eine stärkere globale Wirtschaft als auf lokale politische Entwicklungen reagieren", erklärte Ken Odeluga, Marktanalyst beim Broker City Index in London. "Das heisst, der Vorschlag für einbehaltene Gewinne könnte grossen Konzernen zugute kommen, und eine Regierung, die das Geschäftsklima im Land verbessert, ist gut für die Anlegerstimmung."

Laut Morgan Stanley erzielen österreichische Unternehmen in der Tat weniger als 13 Prozent ihrer Umsätze im Inland.

(Bloomberg)