Peking und Paris rufen USA und Nordkorea zur Mässigung auf

(Meldung aktualisiert) - International wächst die Sorge, dass der Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea eskalieren könnte. China rief Washington und Pjöngjang zur Zurückhaltung auf. Auch Frankreich appellierte an die Verantwortung aller Seiten. Japan stationierte unterdessen Raketenabwehrsysteme.
12.08.2017 17:37

In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump mahnte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping "die betreffenden Parteien, Bemerkungen und Aktionen zu vermeiden, die die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel eskalieren könnten", wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Auch der französische Präsident Emmanuel Macron appellierte "an die Verantwortung aller, jede Eskalation der Spannungen zu verhindern". Die "Zuspitzung der nuklearen Bedrohung aus Nordkorea" gefährde den Erhalt von Frieden und internationaler Sicherheit, erklärte der Elysée-Palast am Samstag. "Gegenüber dieser Bedrohung muss die internationale Gemeinschaft abgestimmt, standhaft und wirksam handeln, damit Nordkorea ohne Bedingungen auf den Weg des Dialogs zurückkehrt."

Japan hat unterdessen Raketenabwehrsysteme stationiert. Es reagierte damit auf nordkoreanische Drohungen, Raketen in Richtung der Pazifikinsel Guam, einem US-Aussengebiet, abzuschiessen.

Die Boden-Luft-Raketen vom Typ Patriot wurden quer zur möglichen Flugbahn nordkoreanischer Geschosse in vier westjapanischen Präfekturen aufgestellt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Samstag meldete. Die japanische Regierung sagte, man wolle sich auf die Möglichkeit vorbereiten, dass Pjöngjangs Flugkörper über Japan versagen sollten.

"PROVOKATIVES VERHALTEN" BEENDEN

Das Telefonat mit Xi war von Trump ausgegangen. China ist ein Verbündeter und Handelspartner Nordkoreas, hatte aber vor einer Woche im UNO-Sicherheitsrat für verschärfte Sanktionen gegen Pjöngjang wegen des Atom-und Raketenprogramms gestimmt. Das Weisse Haus stellte das Telefonat am Freitagabend (Ortszeit) positiver für die USA dar als die chinesische Seite. Demnach waren sich beide Staatschefs darin einig, dass Pjöngjang "sein provokatives und anheizendes Verhalten beenden muss".

Beide Präsidenten stimmten auch darin überein, dass die jüngste UNO-Resolution mit scharfen Sanktionen "ein wichtiger und notwendiger Schritt" sei, um Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel wiederherzustellen, hiess es in Washington weiter. Das Weisse Haus hob zudem hervor, dass das Verhältnis zwischen Trump und seinem chinesischen Amtskollegen "extrem eng" sei und "hoffentlich zu einer friedlichen Lösung des Nordkorea-Problem führen wird".

CHINAS HANDELSPRAKTIKEN UNTERSUCHEN

Xinhua zufolge bekräftigte Xi in dem Telefonat, dass China bereit sei, mit den USA zusammenzuarbeiten, um die Probleme "angemessen zu lösen". Allerdings will Trump nach Medienberichten jetzt offiziell Chinas Handelspraktiken untersuchen lassen. Das könnte die Beziehungen zwischen beiden Staaten belasten und eine Kooperation zur Lösung des Nordkorea-Konflikts erschweren.

Trump werde die Untersuchung, bei der es hauptsächlich um den China zur Last gelegten massiven Diebstahl geistigen Eigentums gehen solle, voraussichtlich am Montag in Washington bekanntgeben. Xi habe er in dem Telefonat darüber informiert, hiess es unter Berufung auf Regierungsbeamte weiter. Das sei auch der Anlass von Trumps Anruf gewesen. Xi sei dann auf Nordkorea zu sprechen gekommen und habe Trump zur Mässigung aufgerufen.

Die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang hatten sich nach Nordkoreas jüngsten Tests von Langstreckenraketen verschärft, die potenziell die USA erreichen könnten. Danach reagierte Pjöngjang wütend auf den Sanktionsbeschluss des UNO-Sicherheitsrates, der auf Drängen der USA zustande kam.

KRIEGERISCHE RHETORIK

Seitdem hat sich die kriegerische Rhetorik zwischen Nordkorea und den USA immer stärker hochgeschaukelt. So hatte Trump Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un zuletzt am Freitag gewarnt, dass die USA militärisch "voll einsatzfähig" seien.

Neben den USA spielt China eine Schlüsselrolle in dem Konflikt und bei der Umsetzung der Sanktionen. Mehr als 80 Prozent des nordkoreanischen Handels fliessen über den grossen Nachbarn. Die USA wollen, dass Peking den Druck auf Pjöngjang verschärft. Chinas Führung hofft hingegen, dass die USA auf Nordkorea zugehen und dessen Sicherheitsbesorgnisse ernst nehmen. China hat vorgeschlagen, dass die USA ihre Manöver mit Südkorea einstellen, während Nordkorea sein Atom- und Raketenprogramm aussetzt, um Verhandlungen aufzunehmen.

GRÖSSTE ARMEE DER WELT

Nordkoreas Propagandaorgan "Rodong Sinmun" berichtete, dass seit der Verhängung der Sanktionen vor einer Woche rund 3,5 Millionen Nordkoreaner einen Antrag gestellt hätten, sich dem Militär anschliessen zu können. Das 25 Millionen Einwohner zählende Nordkorea hat mit mehr als 1,1 Millionen aktiven Soldaten die zahlenmässig grösste Armee der Welt.

Allerdings führen die Streitkräfte auch viele zivile Tätigkeiten aus, etwa im Strassenbau oder der Feldarbeit. Jeder männliche Nordkoreaner ist verpflichtet, einen zehnjährigen Wehrdienst abzuleisten.

(AWP)