Peter Praet - Früherer EZB-Chefökonom mahnt zur Ruhe in Debatte um Geldpolitik

Der frühere Chefökonom der Europäischen Zentralbank hat zur Zurückhaltung aufgerufen in einem zunehmend erbitterten Streit über die Geldpolitik, der die letzten Amtswochen von Präsident Mario Draghi trübt.
12.10.2019 09:06
Der Belgier Peter Praet ist ehemaliger Chefökonom der EZB.
Der Belgier Peter Praet ist ehemaliger Chefökonom der EZB.
Bild: Bloomberg

Praet reagierte auf die Kritik seiner Vorgänger und einer Gruppe ehemaliger geldpolitischer Entscheidungsträger an der EZB-Politik in der vergangenen Woche. Das von ihnen unterzeichnete Memorandum, das die Bemühungen der EZB zur Inflationsbelebung kritisiert, sei emotional und verwende fadenscheinige Argumente, sagte Praet. Zwar bezeichnete er ihre Besorgnis als aufrichtig, sie hätte seiner Meinung nach aber besser in einer ordentlichen Diskussion zum Ausdruck gebracht werden sollen.

“Ich kann die Frustration verstehen, doch man sollten ruhig bleiben, die Ruhe bewahren”, sagte er in einem Bloomberg-Interview. Praet war einer der engsten Vertrauten von Draghi, bis er Ende Mai aus dem Direktorium ausschied. “Derartige Töne am Ende des Mandats sind nicht hilfreich.”

In dem Memorandum wurde der Ansatz der EZB zur Einhaltung ihres Preisstabilitätsmandats kritisiert und Besorgnis über die längerfristigen Auswirkungen der Negativzinsen geäussert. Auch wurde der Institution unterstellt, sie betreibe mit ihrem Anleihekaufprogramm Staatsfinanzierung, was laut EU-Recht verboten ist.

Kritik von früheren Entscheidungsträgern

Zwei früheren Chefökonomen der EZB, Otmar Issing und Jürgen Stark, unterzeichneten das Papier, sowie wie frühere Entscheidungsträger aus Frankreich, Österreich und den Niederlanden, die während ihrer Amtszeit überwiegend falkenhafte Ansichten vertraten.

Ihre Erklärung trägt zu einer wachsenden Opposition gegen die von Draghi verfochtene lockere Geldpolitik bei. Der EZB-Präsident nähert sich dem Ende seiner Amtszeit am 31. Oktober. Die im letzten Monat getroffene Entscheidung, die quantitative Lockerung wieder aufzunehmen, wurde von Notenbankern aus Ländern abgelehnt, deren Bevölkerung mehr als die Hälfte der Eurozone ausmacht.

Die von früheren und gegenwärtigen geldpolitischen Entscheidungsträgern vorgebrachte Kritik habe einige Gemeinsamkeiten, sagte Praet. Der ehemalige EZB-Chefökonom hatte einen Grossteil seiner achtjährigen Tätigkeit bei der EZB damit verbracht, unkonventionelle Massnahmen zu konzipieren und umzusetzen.

«Unbehagen der Zentralbankgemeinde»

“Die Art und Weise, wie sich diese ehemaligen Zentralbanker äussern - manchmal in nicht so gut gewählten Worten und zu noch offenen geldpolitischen Fragen - zeigt ein tiefes Unbehagen in der Zentralbankgemeinde”, sagte er.

Praet deutete an, dass die jüngste Formulierung der EZB-Guidance zu den Leitzinsen, die effektiv für die nächsten Jahre Negativzinsen vorzeichnet, einige Ex-Notenbanker verunsichert haben könnte. Während seiner Amtszeit hatte sich der Belgier häufig dafür ausgesprochen, den Zeitrahmen für eine lockere Politik festzulegen.

“Das offene Ende der Forward Guidance hat viele sehr beunruhigt”, sagte er. “Die unkonventionellen Massnahmen wurden bisher als relativ temporär angesehen. Jetzt werden sie wahrscheinlich sehr lange in Kraft bleiben, wodurch sich möglicherweise die Nebenwirkungen verstärken.“

(Bloomberg)