Peter Spuhler: «Wir hoffen, dass diese Situation nicht ewig dauern wird»

Peter Spuhler, CEO und Inhaber von Stadler Rail, nimmt im Video-Interview mit cash.ch Stellung zu den Auswirkungen des Brexit auf den Franken-Euro-Kurs und auf die Geschäfte von Europas drittgrösstem Zugbauer.
29.06.2016 12:49
Von Daniel Hügli, Bussnang
Peter Spuhler, Chef von Stadler Rail, im Video-Interview mit cash.ch.
Bild: cash

Verschiedene Male hatte Peter Spuhler nervös darauf hingewiesen, letzte Woche trat das Ereignis nun dann tatsächlich ein. Das Ja des britischen Stimmvolkes zu einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union. Die Folgen sind bekannt: Die Börsen stürzten ab, Anleger flüchteten in sichere Anlagehäfen wie den Schweizer Franken, es herrscht Unsicherheit.

"Wir hoffen, dass diese Situation nicht ewig dauern wird", sagt Spuhler, CEO und Inhaber von Stadler Rail, im cash-Video-Interview am Firmensitz in Bussnang TG. Die Ungewissheit auf politischer Ebene und in den Märkten sei nicht gut. "Wir wissen momentan alle nicht, wie es weitergeht. Inwiefern ist die EU bereit und in der Lage, sich zu reformieren und die politischen Probleme zu korrigieren?"

Peter Spuhler fürchtet eine dritte Aufwertungswelle der Schweizer Währung innert sechs Jahren. Der Wirtschaftsstandort Schweiz hat bereits zwei Währungsschocks hinter sich. Im Zuge der Eurokrise hatte sich der Franken zum Euro zwischen Anfang 2010 und Mitte 2011 um mehr als 40 Prozent aufgewertet. Die Aufhebung der Kursuntergrenze durch die SNB im Januar 2015 bewirkte eine erneute Stärkung der Schweizer Währung.

Eine aufgewertete Schweizer Währung beeinträchtigt die Geschäfte exportabhängiger Schweizer Firmen wie Stadler Rail. Dem drittgrössten Schienenfahrzeughersteller Europas hat der "Frankenschock" im letzten Jahr laut eigenen Angaben über 100 Millionen Schweizer Franken gekostet.

Franken-Aufwertung hielt sich nach Brexit in Grenzen

Allerdings hält sich der Aufwertungsdruck auf der Schweizer Währung in Grenzen. Zwar stieg der Franken am Freitag nach dem Brexit-Entscheid bis auf 1,0622 pro Euro, ein Niveau, das seit August 2015 nicht mehr erreicht wurde. Doch die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank brachten den Eurokurs wieder über die Marke von 1,08.

Laut Spuhler ist der alleinige Eurokurs zum Franken nicht das Problem. "Die Kurve der Kaufkraftparität und die Kurve des Eurokurses liegen sehr weit auseinander. Wir könnten leben mit einem Frankenkurs von 1,10 pro Euro, wenn sich die Kaufkraftparität auf dem gleichen Niveau befände." Laut Statistiken liegt die Kaufkraftparität zum Euro derzeit bei etwa 1,25.

Anders als bei der Umrechnung zweier Währungen über den Wechselkurs berechnet man die Kaufkraft von Währungen anhand eines repräsentativen Warenkorbs und vergleicht dann die Kennzahlen anhand der Kaufkraft in den Währungsräumen. In anderen Worten drückt die Kaufkraftparität aus, wie viele Währungseinheiten gebraucht werden, um eine vergleichbare Ware in einem anderen Land mit einer anderen Währung kaufen zu können.

Spuhler will sich im cash-Video-Interview nicht festlegen, mit welchem Eurokurs er mittel- oder langfristig leben könnte. "Eine solche Situation kann man eine Zeitlang durchstehen", sagt Spuhler. "Wir verdienen aber zu wenig Marge, weil wir die Preise herunterschrauben müssen, um einigermassen konkurrenzfähig bleiben zu können im Ausland."

Die Auslastungssituation im Schweizer Werk von Spuhler sei momentan noch relativ gut. "Aber irgendwann müssen wir die Margen verbessern können." Denn der Kostendruck gehe zu Lasten von Innovation, Produktionsausbau und dem finanziellem Polster.

Stadler Rail beschäftigt weltweit 7000 Mitarbeiter, davon rund 3000 in der Schweiz. Die Hälfte bis zwei Drittel der Schweizer Produktionsleistung von Stadler Rail geht in den Export.

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