Pharma - Roche-Präsident fürchtet Deckelung der Arzneipreise in USA

Der Basler Pharmakonzern Roche fürchtet eine Deckelung der Medikamentenpreise in den USA. Wenn die Lage ganz anders werde als heute, dürfte dies dramatische Veränderungen für die Pharmaindustrie weltweit zur Folge haben.
10.12.2017 17:43
Konzernzentrale von Roche in Basel.
Konzernzentrale von Roche in Basel.
Bild: cash

"Um es etwas zugespitzt zu sagen: Wenn die Amerikaner das Schweizer Preissystem einführen würden, müssten wir in der Forschung auch in der Schweiz mehrere tausend Stellen streichen", sagte Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz in einem Interview mit der Zeitung "NZZ am Sonntag".

In der Schweiz habe Roche regelmässig Preissenkungsrunden hinnehmen müssen. Die Medikamentenpreise würden zu Unrecht für den Anstieg der Krankenkassenprämien verantwortlich gemacht. "Der Anteil der Ausgaben für Medikamente an den gesamten Gesundheitskosten ist in der Schweiz in den letzten Jahren nicht gestiegen, sondern eher gefallen", sagte Franz.

Im Hinblick auf die jüngsten Empfehlungen einer Expertengruppe, dass für neue Medikamente kein Innovationszuschlag mehr bezahlt werden soll, sagte der Roche-Präsident: "Ein innovationsbasiertes Land wie die Schweiz muss den hohen Nutzen, den ein neues Medikament bietet, abgelten."

Bei patentgeschützten, verschreibungspflichtigen Arzneien herrsche hierzulande ein Preisniveau, das in etwa dem der umliegenden Länder entspreche. In anderen Arzneisegmenten hingegen, also Generika oder rezeptfreien Produkten, lägen die Preise in der Schweiz deutlich über den Nachbarländern, sagte Franz.

Hohe Kosten gerechtfertigt

Konkurrent Novartis hatte am Vortag die Kosten von umgerechnet 475'000 Franken für das neue Leukämiemedikament Kymriah verteidigt. Es handle sich um eine Einmal-Behandlung, sagte Novartis-Verwaltungsratspräsident Jörg Reinhardt der Zeitung "Blick". Standardtherapien, die jährlich 100'000 Franken kosten, könnten viel teurer werden.

Kymriah sei nicht einfach eine Tablette, sondern ein hochkomplexes Verfahren, sagte Reinhardt. Dem Patienten würden Zellen entnommen, gentherapeutisch modifiziert und wieder zugeführt. Das sei aufwendig und teuer. Die Kosten würden aber nur verrechnet, wenn die Therapie anschlage.

Zur Frage, welche Gesundheitskosten für die Allgemeinheit noch zumutbar seien, sagte Reinhardt, dass Länder nicht darum herum kommen würden, Höchstbeträge zu formulieren. Grossbritannien habe festgelegt, dass ein Lebensjahr 50'000 Franken kosten dürfe.

Es werde aber immer Unterschiede geben, was die Öffentlichkeit zu zahlen bereit sei, sagte Reinhardt weiter. In den USA sei das Solidaritätsprinzip weniger stark ausgeprägt als in Europa.

Anderswo ansetzen

Dass in der Schweiz die Gesundheitskosten überdurchschnittlich stiegen, liege nicht in erster Linie an den Medikamentenpreisen, die nicht im selben Masse stiegen, sagte der Pharma-Vertreter.

Man werde den Anstieg nur stoppen, wenn man aufhöre, sich auf die zehn Prozent der Kosten einzuschiessen, welche die Medikamente verursachten. Man müsse anderswo ansetzen, zum Beispiel bei "unnötigen Diagnosen, Überbehandlungen oder der Auslastung von technischen Geräten".

Novartis schätzte die Zahl der Patienten, die für die Kymriah-Therapie in Frage kommen, jüngst auf rund 600 pro Jahr. Im Sommer hatte Novartis die Zulassung von der US-Gesundheitsbehörde erhalten. Experten trauen personalisierten Zelltherapien Milliardenumsätze zu.

(AWP)

Tweets zum WEF