Pharma und Luftfahrt wollen ebenfalls Brexit-Hilfe

Die Brexit-Zusagen der britischen Regierung an den Autobauer Nissan wecken nun auch in anderen Branchen Begehrlichkeiten.
06.11.2016 16:06
Airbus und Co. wollen eine Brexit-Entschädigung
Airbus und Co. wollen eine Brexit-Entschädigung
Bild: Bloomberg

Insidern zufolge machen Firmen der Luft- und Raumfahrtbranche mit Sitz oder Ablegern in Grossbritannien im Wirtschaftsministerium Druck. Sie wollen ebenfalls Hilfen, um Nachteile durch den geplanten Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union auszugleichen. Zu dem Wirtschaftszweig gehören der Flugzeugbauer Airbus, der Triebswerkshersteller Rolls-Royce und der Rüstungskonzern BAE. Auch die Pharmaindustrie mit britischen Branchengrössen wie AstraZeneca und GlaxoSmithKline (GSK) fordert Unterstützung.

Nissan hatte von der Regierung in London schriftliche Hilfszusicherungen erhalten. Sie gelten für den Fall, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Nissan-Werkes in Sunderland infolge des Anti-EU-Referendums vom Juni leiden sollte. Im Gegenzug will der japanische Autokonzern in Sunderland zwei neue Auto-Modelle fertigen, womit 7000 Arbeitsplätze gesichert werden.

Nissan ging es darum, für dort gebaute Autos auch nach dem Brexit keine Zölle bei der Einfuhr in die verbliebenen EU-Länder zahlen zu müssen. Airbus, GSK & Co sorgen sich dagegen eher um Genehmigungen für Bauteile und Medikamente. Zudem fürchten sie Nachteile durch den Wegfall von EU-Fördergeldern.

"Für unsere Pharma- und Biotech-Firmen geht es um fundamentale Grundlagen, um unsere Geschäfte über einen langen Zeitraum entwickeln zu können", sagt Steve Bates, Chef des Verbandes der britischen Biotech-Firmen. "Das ist etwas komplizierter als bei einer Auto-Fabrik in Sunderland."

Finanzbranche sorgt sich um «EU-Pass»

Die Pharma- und Luftfahrtfirmen eint die Sorge, dass sie künftig schwerer an Genehmigungen kommen, die für den Verkauf ihrer Produkte in Europa und in anderen Ländern erforderlich sind. Für die Unternehmen aus Luft- und Raumfahrt ist das Siegel der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA wichtig, weil es automatisch auch von anderen grossen Ländern wie den USA anerkannt wird.

Sorgen vor den Brexit-Folgen werden bereits seit Monaten aus der für Grossbritannien besonders wichtigen Finanzbranche laut. Für sie ist vor allem der sogenannte "EU-Pass" wichtig. Er ermöglicht Banken den ungehinderten Zugang zu den Kapitalmärkten der Union. Es ist unklar, ob dieser "Pass" nach einem EU-Austritt erhalten bleibt. Einige Finanzfirmen haben bereits angekündigt, Geschäfte in ein anderes EU-Land zu verlagern, falls die britische Regierung die Zugangsmöglichkeiten in den Brexit-Verhandlungen nicht retten kann.

(Reuters)