Pilotenverband Aeropers bricht GAV-Verhandlungen mit der Swiss ab

Der fusionierte Pilotenverband Aeropers Airline Pilots Association hat die Verhandlungen mit der Swiss über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) abgebrochen. Gemäss Verband zeigte Swiss kein Entgegenkommen.
20.06.2017 18:56

Der neue Pilotenverband zog mit seiner erstarkten Verhandlungsmacht in den Gesprächen mit Swiss klare Grenzen. "Wir mussten die GAV-Verhandlungen letzten Freitag abbrechen, weil die Swiss kein Entgegenkommen zeigte", sagte Henning Hoffmann gegenüber der sda.

Laut dem Geschäftsführer von Aeropers Airline Pilots Association muss sich die Swiss bewegen, wenn der neue GAV für 2018 wie geplant bis Mitte August stehen soll. Er forderte, die Löhne für Neueinsteiger und die Pensionskassenkonditionen dürften sich nicht weiter verschlechtern.

"Wir wollen Bedingungen, die auch für Leute, die in der Schweiz leben attraktiv sind", betonte Aeropers-Sprecher und Captain auf Airbus A320, Thomas Steffen.

Die Attraktivität der Swiss sei schon heute so tief, dass 80% in der Pilotenausbildung aus Nachbarländern kämen und nur gut 10% aus der Schweiz.

Die Swiss widersprach in einer Stellungnahme vom Dienstagabend diesen Zahlen. Gemäss Firmenunterlagen stammten 30% der Piloten in Ausbildung aus der Schweiz, sagte Swiss-Sprecherin Karin Müller der sda.

SWISS ZEIGT SICH ÜBERRASCHT

"Es gibt keinen Pilotenmangel, aber fast keine neuen Schweizer Piloten mehr", sagte Steffen. Würden die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert, laufe Swiss die Gefahr nur noch Piloten anzuziehen, die jegliche Bedingungen akzeptierten, nicht aber unbedingt die geeignetsten seien.

Aeropers Airline Pilots Association bleibe offen für neue Gespräche mit Swiss, führte Hoffmann aus. "Swiss bedauert den Abbruch der GAV-Verhandlungen", teilte Swiss-Sprecherin Müller auf Anfrage mit. Der Schritt sei überraschend gekommen, insbesondere da sich Swiss für eine nachhaltige Vertragslösung eingesetzt hat.

Swiss biete zudem unverändert attraktive Cockpit-Arbeitsplätze mit guten Konditionen an. Die Attraktivität einer Anstellung bei Swiss sei nicht gefährdet, sagte Müller weiter. Der derzeit hohe Bedarf an Piloten könne mit Bewerbungen aus der Schweiz allein nicht gedeckt werden, kontert sie die Vorwürfe des Piloten-Verbands.

Der neue Verband vertritt rund 1'360 von 1'400 Piloten der Swiss in der Schweiz. Er ging letzten Herbst aus den drei Pilotenverbänden Aeropers, IPG und Edelweiss Pilots Asscociation (EPA) hervor.

Die Fusion der verschiedenen Kulturen kommt laut Geschäftsführer Hoffmann gut voran. Die Vorteile nur eines Pilotenverbandes seien bereits spürbar. "Früher wurden die einzelnen Pilotengruppen gegeneinander ausgespielt, das ist jetzt nicht mehr möglich", sagt Hoffmann. Eine Herausforderung bleibe es allerdings, die Gleichstellung der Piloten sicherzustellen.

ZUNEHMENDE SICHERHEITSRISIKEN

Zu den grossen Herausforderung der Branche generell gehöre der steigende Druck auf die Arbeitnehmer, sagte Steffen weiter. Wirtschaftlichkeit und Flugsicherheit stünden immer mehr in Konkurrenz.

Gespart werde etwa bei der Ausbildung, den Löhnen und Pensionsleistungen. Dies führe zu fragwürdigen Entwicklungen bei vielen Low-Cost-Airlines: Zur Ausflaggung, wo Airlines in steuergünstigen Ländern zu dortigen Standards registriert werden; oder zu pay-to-fly Piloten, die selbständig sind und von Airlines punktuell angeheuert werden, um Sozialkosten einzusparen.

Eine weitere Tendenz: Der Druck gehe immer mehr auf einzelnen Angestellte über. "Früher hatten Piloten mehr Erholungszeit, heute müssen sie selber entscheiden, ob sie fit sind zum Fliegen oder nicht", so Steffen.

Bei Swiss sei es nach wie vor möglich bei Müdigkeit einen Flug nicht anzutreten - das sei in der Luftfahrt-Branche leider nicht selbstverständlich.

Direkt sicherheitsrelevant ist das zunehmend häufige Fliegen mit gerade noch legaler Kerosinmenge - wobei Piloten von einzelnen Airlines für die Einsparungen belohnt werden.

Fliegen ist laut Steffen immer noch sicher und die Unfälle selten, aber die Sicherheitsmarge sinke, weil von gewissen Airlines bewusst mehr Risiken eingegangen würden. "Es könnte sein, dass die sicherste Zeit der Luftfahrt vorbei ist", befürchtet Steffen.

mk

(AWP)