Pimco-Anlageexperte Mike Amey - «Die nächsten sechs Monate sind für den Brexit entscheidend»

Die Brexit-Verhandlungen haben diese Woche begonnen. Pimco-Anlageexperte Mike Amey sagt im cash-Video-Interview, weshalb bis Ende Jahr mehr Klarheit im Dossier herrschen wird und was dies für die Finanzmärkte bedeutet.
22.06.2017 16:11
Von Pascal Züger
Mikey Amey, Portfolio-Manager bei Pimco in London.
Bild: cash

Bei den vorgezogenen Neuwahlen in Grossbritannien am 8. Juni verlor Premierministerin Theresa May die konservative Mehrheit im Parlament und braucht nun die Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP), um überhaupt weiterregieren zu können.

Das könnte bedeutende Auswirkungen auf den Fahrplan des Brexit haben: "Da die konservative Partei in der britischen Regierung keine Mehrheit mehr besitzt, wird es einen sanfteren und weniger konfrontativen Ausstieg aus der EU geben", sagt Mike Amey, Leiter des Sterling-Portfolio-Managements von Pimco in London, im cash-Video-Interview. Dies deshalb, weil die anderen Parteien im britischen Parlament alle einen Deal mit der EU einem harten Brexit bevorzugen würden.

Die EU-Austrittsverhandlungen zwischen EU-Chefunterhändler Michel Barnier und dem britischen Brexit-Minister David Davis haben diese Woche begonnen. Gemäss Fahrplan sollen die Verhandlungen bis Herbst 2018 abgeschlossen sein und Ende März 2019 soll Grossbritannien definitiv nicht mehr Teil der EU sein.

Die nächsten Monate entscheidend

Die Verhandlung werden also noch einige Zeit andauern, die Fahrtrichtung könnte aber schon bald klar sein: "Die nächsten sechs Monate sind entscheidend für das britische Politsystem und die Brexit-Verhandlungen", sagt Amey. Ein wichtiger Punkt sind gemäss Amey die Finanzen: "Wenn wir da erfolgreich verhandeln können, würde dies auf eine gute Beziehung zwischen EU und Grossbritannien hindeuten und einen reibungslosen Ausstieg ermöglichen", ist der Portfolio-Manager von Pimco überzeugt.

Bis Ende Jahr soll Grossbritannien die Rechnung für den EU-Ausstieg begleichen. Die EU pocht darauf, dass die Briten ihre finanziellen Zusagen noch erfüllen, die Rede ist von einem Betrag von 40 bis 60 Milliarden Euro. Grossbritannien will aber nicht zahlen.

Ebenfalls  soll bis Ende Jahr klar sein, ob Theresa May noch Premierministerin bleiben wird. Entscheidend könnte hier die grosse Konferenz der konservativen Partei im Oktober sein. Amey geht davon aus, dass Theresa May abtreten wird, der Übergang zu einem neuen Premierminister aber problemlos verlaufen wird. Als mögliche Nachfolger werden David Davis, der die Brexit-Verhandlungen führt, und Boris Johnson, aktuell britischer Aussenminister, gehandelt.

Finanzmärkte nach Jahresende ruhiger

Auf die Finanzmärkte wirken sich die aktuellen Entwicklungen in Grossbritannien unterschiedlich aus: "Einerseits sind die Finanzmarktteilnehmer verunsichert darüber, ob die aktuelle Regierung die nächsten 12 bis 18 Monate überstehen wird. Andererseits wäre ein weniger konfrontativer Brexit gut für die britische Wirtschaft", so Amey. Auch ein Ankurbeln der britischen Wirtschaft durch mehr Staatsausgaben sei denkbar.

Wie sollen sich Anleger in dieser Situation verhalten? "Die Risiken sind aufgrund politischer Unsicherheiten hoch, also sollten sie etwas Pulver im Trockenen halten", so der Ratschlag des Anlageexperten Amey. Bis Ende Jahr sollten dann aber viele Unsicherheiten vom Tisch sein.

Im cash-Video-Interview sagt Mike Amey ausserdem, welche zwei Faktoren das Pfund derzeit schwächen und ob die schwache Währung der britischen Wirtschaft einen Schub geben konnte.