Pimco-CEO: «Es wird mehr Italien-Fälle geben»

Laut Pimco-Chef Mohamed El-Erian müssen Investoren auch in Zukunft mit Marktreaktionen wie nach der Italien-Wahl rechnen, wie er am Dienstag an einer Konferenz sagte. Er sieht die Börsen auf künstlich hohem Niveau.
27.02.2013 01:00
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Pimco-Chef Mohamed El-Erian sprach am Dienstag in Frankfurt.
Pimco-Chef Mohamed El-Erian sprach am Dienstag in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Die Reaktion der Börsen auf die Parlamentswahlen in Italien sind eindeutig: Rot, wohin das Auge reicht. Für nicht wenige Marktbeobachter ist dies der Anfang einer deutlichen Korrektur der neun Monate andauernden Aktienmarkthausse.

Für Pimco-CEO Mohamed El-Erian ist die Reaktion der Märkte typisch für eine Zeit, die von hohen Unsicherheiten geprägt ist. Die Unabwägbarkeiten werden anhalten: "Erwarten Sie noch mehr Italien-Fälle in Zukunft", sagte El-Erian den Zuhörern am Institutional Money Kongress am Dienstag in Frankfurt. Die Volatilität an den Märkten werde hoch bleiben, denn "wir haben die künstlichsten Märkte seit langer Zeit", so El-Erian.

Die Wahl in Italien sei typisch für die "Welle der populistischen Ablehnung" in Europa, die man auch schon in Griechenland beobachten konnte, fuhr El-Erian fort. Hintergrund sind die umfangreichen Sparprogramnme in den Schuldenstaaten Südeuropas, welche von einem grossen Teil der Bevölkerung auf Ablehnung stösst. "Die Leute wählen für etwas oder jemanden, ohne überhaupt zu wissen, ob ihre Wahl erfolgreich sein wird", sagte El-Erian.

«Zentralbanken haben das Spiel geändert»

Mohamed El-Erian ist einer der mächtigsten Investoren der Welt. Er ist Chef von Pacific Investment Management Co., dem weltgrössten Anleihehändler mit verwalteten Vermögen von rund 2 Billionen Dollar. Wenn El-Erian und Bill Gross, die beide auch CIO von Pimco sind, sich etwa zur Euro-Schuldenkrise zu Wort melden, zittern die Märkte. Gross managt den Total Return Fund von Pimco mit einem Anlagevolumen von rund 300 Milliarden Dollar.

Grund für die fortbestehende Volatilität an den Börsen, so El-Erian in Frankfurt weiter, ist die neue Rolle der Zentralbanken nach der Finanzkrise. "Die Zentralbanken sind nicht mehr bloss Zuschauer, sie haben das Spiel geändert." Die Währungshüter hätten gesehen, dass sie die misslichen makroökonomischen Zustände nicht direkt ändern könnten. Aber sie hätten erkannt, dass sie die Vermögen in Bewegung bringen könnten, um auf diese Art die Fundamentaldaten zu ändern, so El-Erian, der 1958 in Paris als Sohn einer Französin und eines ägyptischen Diplomaten geboren wurde.

Die als Folge davon eingeleitete Tiefzinspolitik sei einzig und allein verantwortlich gewesen für die Börsenhausse der letzten Monate, so El-Erian weiter. Sie stehe aber nach wie vor in Kontrast zu den schlechten Fundamentaldaten aus der Wirtschaft. "Die Investoren bemerken, dass die Börsen auf einem sehr hohen künstlichen Level angelangt sind". El-Erian, der 15 Jahre für den Internationalen Währungsfonds gearbeitet hatte, bezweifelt daher, dass eine grosse Rotation von Fixed-Income-Anlagen zu Aktien stattfinden werde.

Pimco konnte indes auch von der Marktentwicklung profitieren, die durch die Zentralbankenmassnahmen ausgelöst wurden. Der Total Return Fund von Gross legte im vergangenen Jahr 10,4 Prozent zu und schlug damit 95 Prozent seiner Konkurrenten. Damit wendete sich das Blatt, nachdem der Fonds 2011 noch 70 Prozent der Wettbewerber hinterhergelaufen war. Pimco, die ihren Sitz im kalifornischen Newport Beach hat und seit 2000 zum deutschen Allianz-Konzern gehört, expandiert auch immer stärker in andere Bereiche als Anleihen, etwa in das Aktiengeschäft.

«Diese Frage stellen wir uns sehr häufig»

Aufgrund der unabsehbaren Folgen der Zentralbankenpolitik investiert auch Pimco mehr und mehr in Realwerte und inflationsgeschützte Anleihen, denn "wir müssten in den nächsten drei bis fünf Jahren eine höhere Inflation erwarten", so El-Erian, der seit 2007 Pimco-Chef ist. Und: Die klassische Diversifikation im Portfolio reiche heute nicht mehr. Man müsse mehr tun.

El-Erian nennt, ohne allerdings konkret zu werden, als "good assets" dabei "herumkrebsende Institutionen" in Europa, kleine und mittelgrosse Unternehmen in den USA und Investitionen in Schwellenländern, etwa der Hypothekarmarkt in Brasilien.

Die Zentralbanken hätten mit ihren Massnahmen seit dem Beginn der Banken- und Finanzkrise Zeit gekauft, damit die Staaten das System und die Wirtschaft wieder herstellen können. Ob die Heilung gelingt, schätzt El-Erian mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ein. Allerdings sei unbekannt, wie lange das Finanzsystem die Tiefzinspolitik erträgt.

"Wir wissen schlicht nicht, wie die Haushalte, die Unternehmen und das politische System auf die Zentralbankenpolitik reagieren werden", sagte El-Erian. "Glauben Sie mir, diese Frage stellen wir uns bei Pimco sehr häufig".