Politik - Putin springt Trump in Russland-Affäre bei

Der russische Präsident Wladimir Putin springt seinem US-Kollegen Donald Trump in der Russland-Affäre um dessen Wahlkampf-Team bei.
11.11.2017 16:50
Vladimir Putin bestreitet abermals Einmischung in US-Wahlkampf.
Vladimir Putin bestreitet abermals Einmischung in US-Wahlkampf.
Bild: Bloomberg

Putin wies am Samstag zum Ende des Apec-Gipfels im vietnamesischen Da Nang Berichte als "Unsinn" zurück, Angehörige seiner Familie hätten Kontakt zur Trump-Regierung. Trump monierte, die US-Ermittlungen wegen der Affäre beleidigten Putin. Trotz dieses Schulterschlusses äusserte Putin Kritik am Umgang der US-Behörden mit russischen Medien in den USA. Diese würden in ihrer Arbeit beschränkt, sagte er und wertete dies als Angriff auf die Meinungsfreiheit. Der US-Geheimdienst wirft dem Sender "Russia Today" vor, die US-Wahl 2016 im Auftrag der russischen Regierung beeinflusst zu haben und verlangt seine Registrierung als "ausländischer Agent".

Die Russland-Affäre überlagert die erste Asien-Reise des US-Präsidenten, weil Sonderermittler Robert Mueller kürzlich Trumps früheren Wahlkampfmanager Paul Manafort wegen Geldwäsche und Verschwörung angeklagt hat. Hintergrund sind Kontakte zwischen Trump-Beratern und russischen Regierungsvertretern sowie Vorwürfe, Russland habe in den US-Wahlkampf zu Trumps Gunsten eingegriffen.

Putin: "Wir sind enttäuscht"

Putin sagte, die Ermittlungen gegen Manafort hätten mit Russland nichts zu tun. Eine mutmassliche Verbindung zwischen Manafort und Russland sei von Gegnern Trumps konstruiert worden, sie sollten als Waffe gegen den US-Präsidenten genutzt werden. "Ein Angriff auf unsere Medien in den USA ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit", sagte Putin mit Blick auf den staatlichen Sender "Russia Today". "Wir sind enttäuscht." Die Regierung wäge ihre Reaktion ab. Dass nun US-Medien in Russland ihrerseits als Agenten eingestuft werden sollten, wie dies der Parlamentspräsident gefordert hat, sei "vielleicht etwas zu harsch", sagte Putin. Er wolle aber unterstreichen, "dass es keine Bestätigung dafür gibt, und auch nicht geben kann, dass russische Medien sich in den Wahlkampf einmischen".

US-Geheimdienste waren im Januar zu dem Schluss gekommen, Putin habe eine Beeinflussung des US-Wahlkampfs angeordnet. So sollen Hacker peinliche E-Mails von Trumps Konkurrentin Hillary Clinton ausgespäht und veröffentlicht haben. Zudem soll im Auftrag Russlands Anti-Clinton-Propaganda in sozialen Netzen verbreitet worden sein.

Trump, der von Da Nang nach Hanoi weiterreiste, sagte vor Journalisten an Bord der Air Force One, er habe Putin erneut gefragt, ob Russland sich eingemischt habe. Putin habe dies abermals bestritten. Die Ermittlungen in den USA erschwerten eine Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten, kritisierte Trump. Gute Beziehungen zu Russland und Putin seien aber gerade im Streit mit Nordkorea über dessen Atom- und Raketenprogramm wichtig. "Er könnte uns in Nordkorea wirklich helfen", sagte Trump über Putin. "Wir haben ein grosses Problem mit Nordkorea, und China hilft uns. Wenn uns Russland zusätzlich zu China helfen würde, würde das Problem sehr viel schneller verschwinden."

(Reuters)