Politik - Saudi-Arabien will offenbar den Tod Chaschoggis einräumen

Saudi-Arabien steht Medienberichten zufolge vor dem Eingeständnis, dass der verschwundene Journalist Dschamal Chaschoggi bei einem schief gelaufenen Verhör ums Leben gekommen sei.
16.10.2018 08:49
Riad bei Nacht, im Zentrum der Kingdom Towe.
Riad bei Nacht, im Zentrum der Kingdom Towe.
Bild: Bloomberg

Eine entsprechende Erklärung sei in Arbeit, berichteten der US-TV-Sender CNN und die "New York Times" unter Berufung auf Insider. Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des regimekritischen Journalisten wurde inzwischen das saudiarabische Konsulat in Istanbul durchsucht. Nach neun Stunden verließen die Teams türkischer und saudiarabischer Ermittler am Dienstagmorgen die diplomatische Vertretung wieder. Zu neuen Erkenntnissen wurde zunächst nichts bekannt. US-Außenminister Mike Pompeo reiste auf Geheiß von Präsident Donald Trump nach Saudi-Arabien, um mit König Salman über den Fall sprechen.

Der zuletzt in den USA lebende Chaschoggi ist seit einem Besuch des saudiarabischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober verschwunden. Die Türkei beschuldigt Saudi-Arabien, Chaschoggi getötet und seine Leiche fortgeschafft zu haben. Die Regierung in Riad hat dies zurückgewiesen. Trump hatte Saudi-Arabien mit ernsten Konsequenzen gedroht. Er entsandte am Montag Pompeo nach Riad.

CNN berichtete, Saudi-Arabien bereite eine Erklärung vor, dass Chaschoggi ohne Genehmigung verhört worden sei. Demnach soll das Verhör des "Washington Post"-Kolumnisten außer Kontrolle geraten und der Regierungskritiker dabei gestorben sein. Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Die "New York Times" berichtete dagegen, dass Kronprinz Mohammed bin Salman einem Verhör oder einer Überstellung von Chaschoggi zurück nach Saudi-Arabien zugestimmt habe. Die Regierung in Riad wolle den Prinzen schützen, indem sie einen Geheimdienstmitarbeiter für den vermasselten Einsatz verantwortlich mache, hieß es in dem Blatt weiter.

Bei der Durchsuchung des saudiarabischen Konsulats waren auch Experten zur Spurensicherung mit vier Spezialfahrzeugen vor Ort. Sie stellten Bodenproben und eine Metalltür zur weiteren Untersuchungen sicher. Auch ein Spürhund der Polizei war im Einsatz.

An den saudiarabischen Märkten sorgt der Fall für Unruhe, da er Befürchtungen nährt, ausländische Investoren könnten sich aus dem Königreich zurückziehen. Die saudiarabische Währung stürzte am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren, und auch die Anleihenkurse gaben nach. 

(Reuters)