Politik Türkei - Erdogan hinterfragt Unabhängigkeit der türkischen Notenbank

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schiesst sich immer stärker auf die Notenbank ein und hinterfragt deren Unabhängigkeit.
17.11.2017 20:00
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Bild: youtube

Die Zeitung "Habertürk" zitierte den Staatschef diese Woche mit den Worten: "Wir sind entschlossen, uns die Zinslobby und die Zinsen vorzunehmen." Nächste Woche werde voraussichtlich ein Spitzentreffen einberufen, an dem auch der Ministerpräsident, Ressortchefs und Vertreter staatlicher Banken teilnehmen würden.

Erdogan hat sich selbst als "Feind von Zinsen" bezeichnet und die Notenbank mehrfach scharf attackiert. Er hält den aktuellen geldpolitischen Schlüsselsatz in der Türkei von 8,0 Prozent für viel zu hoch. Investitionen drohten dadurch gehemmt zu werden, warnte er in Ankara vor Vertretern seiner regierenden AK-Partei. Es habe nur zu der derzeitigen Situation kommen können, da die Regierung nicht bei der Zentralbank eingegriffen habe: "Dabei heisst es doch immer: Die Notenbank ist unabhängig, also mischen Sie sich nicht ein."

Die Landeswährung Lira gab nach den Äusserungen zum Dollar nach. Erdogan ist der Ansicht, dass hohe Zinsen die Inflation anheizen. Dies widerspricht gängiger Lehrauffassung. Der Staatschef hat bereits die Finanzbranche seines Landes wegen angeblich zu hoher Kreditzinsen kritisiert und zur Senkung aufgefordert.

(Reuters)