Präsident der deutschen Bundesbank warnt vor Eurobonds durch die Hintertür

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann steht Überlegungen der EU-Kommission zur gemeinsamen europäischen Ausgabe von Schuldtiteln skeptisch gegenüber. Würden solche Anlagen ("European Safe Bonds") von einer offiziellen europäischen Institution an den Markt gebracht, könnte dies als Schritt interpretiert werden, die Haftung einzelner Staaten im Sinne sogenannter Eurobonds komplett zu vergemeinschaften, sagte Weidmann laut Redetext am Mittwoch bei einem Bundesbank-Symposium anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Notenbank in Frankfurt.
14.06.2017 10:14

Die EU-Kommission hatte Ende Mai ein Reformpaket vorgeschlagen, um die Staatengemeinschaft gegen neue Krisen zu wappnen. Dazu zählen eine weitere Stärkung der Banken über eine gemeinsame Einlagesicherung sowie die Möglichkeit der gemeinsamen Ausgabe von Schuldtiteln. Mit Eurobonds und einer gemeinsamen Haftung für Schulden soll dieses "Finanzinstrument für die gemeinsame Emission von Schuldtiteln" aber nichts zu tun haben.

Zugleich warnte Weidmann erneut, die Geldpolitik zu überfordern. Seit Jahren hilft die Europäische Zentralbank (EZB) klammen Banken und kriselnden Staaten mit extrem niedrigen Zinsen und milliardenschweren Anleihenkäufen. Die Notenbank könnte unter Druck gesetzt werden, ihre ultralockere Geldpolitik länger aufrechtzuerhalten als es ihr eigentliches Ziel eines stabilen Preisniveaus rechtfertige, sagte Weidmann./ben/mar/DP/jha

(AWP)