Presse: Deutschland blockiert strengere Regeln für Banken

FRANKFURT/BASEL (awp international) - Die für das kommende Wochenende anberaumte Entscheidungssitzung der im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankenaufseher aus 27 Ländern ist einem Pressebericht zufolge vor allem wegen der Blockade Deutschlands geplatzt. Die Aufseher wollten sich eigentlich auf gemeinsame internationale Kapitalregeln für Banken einigen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Mittwoch berichtet, unterstützt Frankreich dabei die Position Deutschlands. Beide Länder seien aber in der Minderheitsposition.
04.01.2017 09:34

Im Kern geht es bei dem schon länger schwellenden Streit darum, wie die Institute die Kreditrisiken kalkulieren. Davon hängt ab, mit viel Eigenkapital die Geschäfte abgesichert werden müssen. Bislang haben die Institute die Wahl zwischen recht konservativen Standardvorgaben und eigenen Modellen, die vor allem grosse Banken anwenden und zu einem deutlich geringeren Kapitalbedarf führen. Das führt auch dazu, dass für ähnliche Finanzanlagen einzelne Banken oft ganz unterschiedliche Risiken annehmen. Zudem werden bankinterne Modelle seit der Finanzkrise kritisch beäugt.

US-amerikanische Banken favorisieren die standardisierten Modelle. Unter Europas Geldhäusern gibt es aber die Sorge, dass damit ihr Kapitalbedarf gerade auch für bislang wenig riskantes Geschäft wie Baufinanzierungen kräftig ansteigt. Die amerikanische Sichtweise, den Einsatz von eigenen Risikomodellen deutlich zu begrenzen, werde aber von den meisten Mitgliedern unterstützt, schreibt die "FAZ". Der Baseler Ausschuss muss seine Entscheidungen aber einstimmig fassen, auch wenn diese keine verbindliche Wirkung für die Mitgliedsländer haben.

Am Dienstag hatte die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mitgeteilt, die Notenbankgouverneure und Vorsitzenden der Finanzaufsichtsbehörden aus den 27 wichtigsten Volkswirtschaften hätten ihre für diesen Sonntag geplante Entscheidungssitzung in Basel verschoben. Die Deutsche Kreditwirtschaft, der Dachverband der Banken und Sparkassen, begrüsste den Schritt. Man sollte sich die Zeit nehmen, um einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss zu finden. Der Baseler Ausschuss hofft nun auf einen Abschluss in naher Zukunft. Damit dürfte bis spätestens zum Ende des ersten Quartals gemeint sein, schreibt die "FAZ."

Die Aufseher wollen mit den neuen Vorgaben die nach der Finanzkrise 2007/08 beschlossenen strengeren Regeln für Banken -Basel III genannt - fein schleifen. Viele Banken warnen indes davor, dass sich die Vorgaben als neue Regulierungswelle entpuppen könnten und bezeichnen sie deshalb schon abfällig als "Basel IV"./stk/stb

(AWP)