Presserat rügt "Handelszeitung" wegen Namensnennung

Der Presserat rügt die "Handelszeitung" wegen eines Artikels über die mutmasslich betrügerische Finanzierung eines gescheiterten Pharma-Startups. Mit der Namensnennung zweier Aktienverkäufer habe die Zeitung den Journalistenkodex verletzt.
27.10.2017 12:52

Die "Handelszeitung" hatte im Dezember 2016 online über Ermittlungen der Zuger Staatsanwaltschaft gegen das Pharma-Startup Amvac berichtet. Aktienverkäufer hätten Geld von Investoren als Provisionen abgezweigt, schrieb die Zeitung. Von den neun Verkäufern, gegen die wegen Betrugsverdachts ermittelt wird, nannte die "Handelszeitung" deren zwei namentlich.

Einer von ihnen gelangte an den Presserat, um sich gegen die identifizierende Berichterstattung zu wehren. Die Zeitung argumentierte, wer im öffentlichen Handelsregister als einziger Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft eingetragen sei, könne sich nicht auf den Schutz seiner Privatsphäre berufen.

Der Presserat weist diese Argumentation zurück. Der Eintrag ins öffentlich-rechtliche Handelsregister sei ein rechtlicher Pflichteintrag, schreibt er in einer Mitteilung vom Freitag. Diesen könne die Redaktion nicht ernsthaft als freiwilligen Schritt in die Öffentlichkeit interpretieren.

Um potenzielle Investoren vor den mutmasslichen Betrügern zu warnen, hätte es aus Sicht des Presserates genügt, die Firmennamen zu nennen und zu schreiben, dass der Staatsanwalt auch gegen deren Inhaber ermittle.

ra/

(AWP)