Presserat weist Beschwerde wegen Online-Werbung ab

Der Presserat weist eine Beschwerde ab, die sich gegen einen Native-Advertising-Beitrag des Portals watson.ch gerichtet hatte. Redaktion und Werbung rückten zwar sehr eng zusammen, doch seien die Richtlinien der Rechte und Pflichten der Journalisten nicht verletzt worden.
28.06.2017 17:05

Der Presserat hatte sich mit einem Online-Fragebogen zu befassen, der im Oktober 2015 auf watson.ch veröffentlicht wurde: "Schwitzen in Freiheit! Dieses Quiz verrät, welche Outdoor-Sportart am besten zu Dir passt."

Wer bei den acht Fragen ein Kreuzchen setzte, erhielt als Belohnung gemäss Presserat einen "harmlosen Ratschlag" wie "Mountain-Biking - auf zwei Rädern über Stock und Stein zu brettern bereitet dir Glücksgefühle".

Zudem tauchte auf dem Bildschirm eine Werbeeinblendung einer Krankenkasse auf, die auch - wie stets ersichtlich war - dieses Quiz "präsentiert" hatte.

"PASSENDES UMFELD GESCHAFFEN"

Mit diesem Quiz habe watson.ch keine Werbung betrieben, hält der Presserat in seiner am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme fest: Weder sei direkt oder indirekt zur Nutzung eines Produkts aufgerufen worden, noch sei dem Anzeigenkunden ein ansprechendes Image verschafft worden.

Das Online-Portal habe "lediglich dazu beigetragen, dass für die Werbebotschaft der Krankenkasse ein thematisch passendes redaktionelles Umfeld und für den User ein voraussetzungslos nutzbares Unterhaltungsangebot geschaffen wird".

Wie der Stellungnahme zu entnehmen ist, räumte watson.ch ein, dass die Umsetzung von NativeAds "einen Spagat zwischen journalistischen Grundsätzen, User-Interessen und Werbewirtschaft darstellt". Deshalb gälten intern strenge Regeln, damit Inhalte nicht beeinflusst würden: So wissen die Redaktoren, die ein Quiz oder anderen Inhalt verfassen, jeweils nicht, wer der Kunde ist.

PRESSERAT WILL TRANSPARENZ ERHÖHEN

Redaktion und Werbung würden so zwar sehr eng zusammenrücken und sogar eine redaktionelle Einheit bilden, hält der Presserat fest. Im vorliegenden Fall seien aber "Quiz und Werbebotschaft typographisch und vom Layout her deutlich voneinander abgesetzt". Damit sei das für den Presserat zentrale Kriterium der Transparenz erfüllt worden.

Allerdings würde es der Presserat bevorzugen, wenn von Anzeigenkunden bezahlte Medienbeiträge "statt mit verschleiernden Formulierungen wie 'präsentiert von...' durch den Hinweis 'bezahlt von...' gekennzeichnet würden", wie er in einer Mitteilung schreibt.

Zudem dürften Anzeigenkunden keinen Einfluss auf den redaktionellen Text nehmen, betont der Presserat: Dass Journalisten keinerlei Bedingungen von Seiten der Inserenten akzeptieren, gelte selbst für "belanglose Wünsche in Bezug auf einzelne Formulierungen".

Ob watson.ch gegen diese Richtlinie verstossen habe, sei nicht bekannt, hält der Presserat fest. Das Portal lasse sich nur insoweit in die Karten schauen, als es einräume, "dass seine Native-Advertising-Auftraggeber prinzipiell das Recht haben, einzelne Formulierungen des redaktionellen Umfeld-Textes abzulehnen oder auf deren Veränderung zu dringen".

Der Presserat geht davon aus, dass es sich bei dieser Art Online-Werbung um einen Bereich handelt, "der innert kurzer Zeit eine ökonomisch sehr grosse Rolle spielen wird". Er präzisierte deshalb die Richtlinien zum Journalistenkodex so, dass sie auch auf neu entwickelte Werbeformen wie etwa "Native Advertising" zweifelsfrei anwendbar sind.

(AWP)