Protektionismus würde laut Studie vor allem USA selbst schaden

Der von US-Präsident Donald Trump wiederholt angedrohte Protektionismus würde einer Studie zufolge weltweit zu Einkommensverlusten führen. Vor allem wären aber die USA selbst von einer Schwächung betroffen, ergab die von der Bertelsmann-Stiftung beauftragte Studie des Münchner Ifo-Instituts.
12.09.2017 06:35

Im ungünstigsten angenommenen Fall würde die jährliche amerikanische Wirtschaftsleistung durch Importzölle und andere Erschwernisse demnach um 2,3 Prozent oder 415 Milliarden US-Dollar zurückgehen, errechnete die am Dienstag veröffentlichte Studie.

Der Untersuchung zufolge würde schon alleine die Wiedereinführung von Zöllen und Handelshemmnissen wie etwa technischen Auflagen und Dokumentationspflichten in der nordamerikanischen Freihandelszone - dazu gehören die USA, Kanada und Mexiko - die amerikanische Volkswirtschaft schädigen. Das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen würde der Untersuchung zufolge in den USA um rund 0,2 Prozent oder 125 US-Dollar sinken, in Kanada wären es sogar 1,5 Prozent oder 730 Dollar pro Kopf.

Grössere und allgemeinere wirtschaftliche Schäden hätte demnach eine breit angelegte protektionistische US-Politik, auf die auch die Handelspartner mit Protektionismus reagieren. Würden etwa die USA die Zölle und Handelshemmnisse für alle Handelspartner um 20 Prozent erhöhen und die übrigen Länder die gleichen Massnahmen ergreifen, würde dies der Studie zufolge den Handel erheblich einschränken.

Für die USA prognostizieren die Ifo-Forscher für diesen Fall einen Rückgang des Pro-Kopf-Jahreseinkommens um 1300 US-Dollar, für Kanada sogar um 1800 US-Dollar. In Deutschland beispielweise wäre den Berechnungen zufolge ein Einkommensverlust von 0,4 Prozent oder rund 160 US-Dollar je Einwohner zu erwarten.

Trump hatte im Zuge seiner "Amerika zuerst"-Politik wiederholt Abschottungsmassnahmen angedroht. Unter anderem brachte er mögliche Strafzölle für ausländische Unternehmen ins Spiel und kündigte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar das fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen TPP mit mehreren Pazifikanrainern auf. Über das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA mit Kanada und Mexiko wird derzeit neu verhandelt.

(AWP)