Raiffeisen-CEO: «Kapitalaufnahme ist in Diskussion»

Raiffeisen denke über die Aufnahme von Kapital nach, sagt CEO Pierin Vincenz im Gespräch mit cash. Weiter gibt er einen Ausblick auf die kellertiefen Zinsmargen.
01.03.2013 15:15
Von Frédéric Papp
Pierin Vincenz, CEO Raiffeisen-Gruppe, im Interview mit cash.
Pierin Vincenz, CEO Raiffeisen-Gruppe, im Interview mit cash.
Bild: cash

Vor knapp drei Wochen verpflichtete der Bundesrat die Banken, ab dem 30. September 2013 zusätzliche anrechenbare Eigenmittel in der Höhe von 1 Prozent ihrer grundpfandbesicherten risikogewichteten Positionen zu halten. Die Aktivierung zielt dabei nur auf Hypothekarkredite für Wohneigentum ab.

Der zusätzliche Kapitalbedarf bereitet der Raiffeisen aber noch kein Kopfzerbrechen: "Mit einem Deckungsgrad von 14 Prozent sind wir ausreichend kapitalisiert", sagt Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz zu cash kurz nach der Bilanzmedienkonferenz am Freitag.

Anders sähe es aus, wenn der Prozentsatz des Kapitalpuffers sukzessive auf das Maximum von 2,5 Prozent erhöht würde. Laut Auskunft des  Raiffeisen-Finanzchefs Marcel Zoller muss Raiffeisen pro Prozentpunkt 450 Millionen Franken zusätzliches Kapital hinterlegen. Macht in der Summe 1,125 Milliarden Franken.

Kapitalaufnahme werde geprüft

Der Betrag kann nicht alleine durch zurückbehaltene Gewinne finanziert werden. "Wir brauchen zwar nicht dringend Kapital, diskutieren aber diverse Möglichkeiten, am Kapitalmarkt Geld aufzunehmen", sagt Vincenz. Um welche Möglichkeiten es sich handelt, wollte der Raiffeisenchef nicht im Detail sagen.

2011 hat die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz eine nachrangige Anleihe im Umfang von 535 Millionen Franken am Kapitalmarkt platziert. Auch im aktuellen Jahr sei eine Anleihe von einer halben Milliarde Franken geplant. Allerdings habe diese Anleihe nichts mit dem Kapitalpuffer zu tun, so Vincenz.

Zinsmarge bereitet Sorgen

Wie alle übrigen Banken konnte sich auch die Raiffeisengruppe dem Margendruck nicht entziehen. Das rekordtiefe Zinsniveau im abgelaufenen Jahr sowie der harte Konkurrenzkampf manifestierten sich in einer tiefen Zinsmarge. Zwar konnte die Bank den Zinsertrag gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent steigern. Dies ist aber deutlich weniger als in vergangenen Jahren.

Und Besserung ist nicht in Sicht: "Der Druck wird hoch bleiben. Wir hoffen, dass sich die Marge in diesem Jahr über 1,2 Prozent bewegen wird, sagt Vincenz, der seit 1999 CEO der Raiffeisengruppe ist. Aktuell beträgt die Zinsmarge bei Raiffeisen 1,29 Prozent.