Regierungsrat wird Bahngezänk zu bunt - Bund soll Lead übernehmen

Der Berner Kantonsregierung geht das Gezänk zwischen der SBB und der BLS um Konzessionen im Bahnfernverkehr zu weit. Nun soll der Bund die Sache in die Hand nehmen und einen konstruktiven Prozess aufgleisen.
17.08.2017 12:45

In einem Schreiben an Bundespräsidentin Doris Leuthard beantragt der Regierungsrat, einen konstruktiven Prozess unter der Führung des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr und Energie (UVEK).

Der laufende Streit zwischen der SBB und der BLS schade dem öffentlichen Verkehr und der Reputation der Bahnen, schreibt der Regierungsrat in einer Mitteilung vom Donnerstag. Das Thema dürfe deshalb nicht länger auf Fachebene von den Bahnen selbst behandelt werden, sondern verlange politische Aufmerksamkeit und eine politische Lösung.

SBB SOLL KONKRETER WERDEN

Vergangenes Wochenende wurde bekannt, dass die SBB der BLS im Streit ein Angebot vorgelegt hat. Die SBB will der BLS zwar einige Fernverkehrs- und Regionalverkehrslinien abtreten. Im Gegenzug soll die BLS aber darauf verzichten, eine Fernverkehrskonzession anzustreben.

Ausserdem soll die SBB der BLS auch angeboten haben, im Raum Bern gemeinsam Züge zu warten. Dies dürfte vor allem den Gegnern des BLS-Werkstätten-Neubauprojekts Chliforst bei Bern Auftrieb geben.

Anwohner fordern schon lange eine Kooperation von BLS und SBB bei der Wartung von Zügen. Sie erhoffen sich, dass diese Kooperation den Bau der neuen Werkstatt überflüssig machen würde.

Der Regierungsrat zeigte sich erstaunt über diese Möglichkeit, denn noch vor kurzem habe es geheissen, eine Zusammenarbeit sei nicht möglich. Nun will er von der SBB Konkreteres zu einer möglichen Zusammenarbeit hören.

Die Berner Regierung betont aber auch, dass für sie zwischen der Vergabe der Konzessionen und der Werkstätten-Frage kein Zusammenhang besteht.

KONZESSIONEN LAUFEN AUS

Die SBB hält derzeit das Monopol auf den Fernverkehrslinien in der Schweiz. Ein Grossteil der Fernverkehrskonzessionen läuft aber Ende 2017 ab. Das Bundesamt für Verkehr hat sie neu ausgeschrieben. Bis Anfang September müssen Konzessionsgesuche eingereicht werden.

Im April hatte die BLS bekanntgegeben, sie interessiere sich für eine Linie von Brig über Bern, Aarau, Zürich und Zürich-Flughafen nach Romanshorn SG. Eine weitere würde Interlaken mit Bern, Aarau, Zürich, Zürich-Flughafen und St. Gallen verbinden. Zudem wolle sie die bestehende Linie von Interlaken via Bern und Olten nach Basel übernehmen.

(AWP)